Tsv kottern rettet sich in die relegation: vom horror-start zum oster-wunder
Ein 0:3 nach 18 Minuten, zehn Punkte Rückstand, Schulter- und Muskelbündelrisse im Dutzend – und dann das: 4:0 in Schalding-Heining. Der TSV Kottern hat sich in 90 Minuten vom direkten Abstieg verabschiedet und schickt die Bayernliga-Saison nun doch noch in die Verlängerung.
Der tiefste punkt war das 0:3 gegen kirchanschöring
Andreas Maier sprach danach von „klaren und ehrlichen Worten“, die nötig waren, weil seine Mannschaft sich selbst nicht mehr erkannte. Fünf Zähler nach zehn Spielen, 16 Gegentore in vier Partien – die erste Tranche unter Martin Dausch war ein einziger Bremsstrahl. Der Coach musste gehen, der neue Mann setzte auf die einfachste aller Rezepte: hinten dicht. Ergebnis: ein Gegentreffer pro Partie bis zur Winterpause, nur ein Punkt bis zur sicheren Zone.
Dann kam der Personaltsunami. Schultereckgelenksprengungen, Bänderrisse, Muskelbündelrisse – der Kader schrumpfte auf einstellige Feldspieler. „So etwas habe ich in meiner Karriere noch nie erlebt“, sagt Maier, der sich mit U-23- und U-19-Hilfstruppen durch die Woche quälte. Die Achterbahn raste bergab, die Lücke auf die Nichtabstiegsplätze wuchs auf zehn Punkte.

Ostern war der schalter
Erst 0:0 in Schwaig, dann 1:1 gegen Landsberg – und am Ostermontag die Befreiung. Kottern spielte nicht nur, Kottern überrollte den ehemaligen Regionalligisten aus Schalding-Heining. Zweikampfquote 68 %, Ballbesitzphasen bis in die gegnerische Box, vier Treffer, kein Gegentor. Kapitän Matthias Jocham: „Wir haben 90 Minuten lang gerockt, das war unser Statement.“
Die Tabelle spricht nun eine andere Sprache: Der direkte Abstieg ist Geschichte, die Relegationszone nur noch drei Punkte entfernt. Die letzten fünf Spiele werden darüber entscheiden, ob Kottern die Saison als Retter oder gebrannte Erinnerung beendet.
Der B-Lizenz-Inhaber nimmt’s mit Humor: „Wir haben die horror-Attraktion geschlossen, jetzt kommt der sanfte Ritt.“ Sanft wird er nicht sein, denn es geht nach Germering, nach Sonthofen, nach Kempten – alles Gegner, die noch etwas zu verlieren haben. Aber wer eine Mannschaft nach einem 4:0-Auswärtssieg noch zweimal infrage stellt, hat die letzten Monate nicht verstanden. Die Kotterner Achterbahn rollt noch – nur jetzt mit aufrechten Gestalten und einem Ziel, das vor Weihnachten niemand mehr aussprechen wollte.
