Kornetka löst den knoten: braunschweig springt aus dem keller
Endlich wieder drei Punkte – und das gleich im ersten Spiel. Lars Kornetka schritt am Samstag in Braunschweig an die Seitenlinie, zog die Kappe tiefer und sah 90 Minuten lang, wie seine Eintracht den Abstiegskampf neu erfand. 1:0 gegen Fortuna Düsseldorf, Robin Heußer traf in der 62. Minute, und plötzlich atmen die Löwen wieder.
Kornetka paralleltauglich, aber voll vor ort
Der 43-Jährige schrieb Nebenjob auf Nebenjob: Co-Trainer der österreichischen Nationalmannschaft bis zur Sommer-WM, nebenher Retter in Braunschweig. Die erste Lektion: ein Sieg, der nach fünfen Niederlagen und Remis endlich mal wieder grüne Zahlen bringt. Die Stimmung im Eintracht-Stadion? Weg von Verzweiflung, richtung Grundgesetz der Zweiten Liga: Alles ist drin, solange der Ball rollt.
Die Partie selbst begann wie ein Krimi ohne Leiche: viel Einsatz, aber kaum Torszenen. Fortunas Marin Ljubicic dachte, er hätte die erste große Entscheidung getroffen – doch die Fahne hob sich, knappe Abseitsposition, Tor zählt nicht. Die Düsseldorfer blieben dominant, aber harmlos. Kornetka stellte um, störte früher, zwang seine Mannschaft in die Spur. Nach der Pause dann der Moment, der alles verändert: Heußer nahmt einen zweiten Ball volley, Innenpfosten, Netz, Befreiungsschlag.

Tabellenkeller bekommt luftloch
Mit 23 Punkten springt Braunschweig auf Platz 15, erstmals seit Wochen oberhalb der roten Zone. Die Konkurrenz aus Kiel, Kaiserslautern und Hannover darf schon wieder rechnen. Fortuna bleibt bei 34 Zählern, muss die Champions-League-Träume vorerst parken. Für Daniel Thioune die erste Niederlage nach sechs ungeschlagenen Spielen – und eine Lehre: Wer den Keller unterschätzt, fällt selbst hinein.
Kornetka war nach Abpfiff nicht der laute Held. Er klatschte einzeln Spieler ab, sprach von „kleinen Schritten“, betonte die Defensivarbeit. Genau das aber war der Unterschied: Braunschweig ließ in den letzten 20 Minuten keinen einzigen Düsseldorfer Torschuss zu, die Statistik zeigt 0,13 erwartete Tore für Fortuna nach der 60. Minute – ein Wert, der lauter spricht als jedes Interview.
Die Saison ist nicht gerettet, aber der Knoten geplatzt. Nächstes Wochenende geht’s nach Schalke, wo die Knappen ebenfalls unter Zugzwang stehen. Wenn Kornetka auch dort punktet, schlägt die Stunde derer, die schon Abstiegsgesänge probten. Für Braunschweig heißt es jetzt: Den Schwung mitnehmen, den Glauben festhalten. Die Zweite Liga verzeiht nichts – aber sie belohnt manchmal genau das: einen neuen Kopf und einen einzigen Moment der Klarheit.
