Kompany schaltet angriffsmodus: bayerns tunnelblick beginnt in bergamo
München – Kaum hat der Frühling die Champions-League-Bäume grün gefärbt, schon zieht Vincent Kompany den Kampfmodus an. „Tunnelvision“ nennt der Belgier die mentale Landkarte, mit der der FC Bayern am Dienstag (21.00 Uhr) in Bergamo in die Saison-Endphase startet. Keine Angst, nur Chancen – so lautet das Credo vor dem Achtelfinal-Hinspiel gegen Atalanta. Eine Ansage, die klingt, als hätte der Rekordmeister die vergangenen Europapleiten bereits aus dem Speicher gelöscht.
Atalanta ist kein zufallsprodukt
Kompany warnt trotzdem. Raffaele Palladinos Truppe habe sich „auf wirklich gute Art und Weise“ zu dem entwickelt, was sie heute ist: ein Gegner, der sich selbst für etwas Besonderes hält. Die Zahlen untermauern das Selbstvertrauen der Lombarden – in den letzten 14 Pflichtspielen nur eine Niederlage, dazu ein Punkteschnitt von 2,21. Wer das 3:0-Siegstück im Europa-League-Finale 2024 gegen Leverkusen gesehen hat, weiß, dass Atalanta auch große Namen verschlingt, wenn der Tag passt.
Josip Stanisic kennt die Bitterkeit. Der Bayern-Verteidiger saß damals 90 Minuten lang auf der verlierenden Bank. „In mir spielt es noch ein bisschen eine Rolle“, gibt er zu. Ein Satz, der ruhig klingt, aber Feuer fängt, wenn man ihn genauer hinhört. „Ich will auf keinen Fall nochmal gegen Atalanta verlieren.“ Keine Floskel, sondern eine kleine Revanche-Mission mitten im K.-o.-Wahnsinn.

München reist ohne buhmann, aber mit offener wunde
Die personelle Lage ist kompakt, nicht komfortabel. Kim Min-jae fehlt im defensiven Rückzentrum, Noussair Mazraoui ist langfristig raus. Das zwingt Kompany zu Improvisationen – wahrscheinlich wird Stanisic rechts hinten starten und Konrad Laimer ins Mittelfeld rutschen. Die Frage ist, ob die sogenannte Tunnelvision auch funktioniert, wenn der Gegner aus dem eigenen Halbraum heraus kontert wie eine italienische Version des „heavy metal football“.
Zugleich ist dieses Spiel ein Indikator für Bayrens mentale Frische. Nach dem ernüchternden Pokal-Aus in Frankfurt liegt die Saison plötzlich auf Messers Schneide. Gewinnt der FCB die Champions League, wird niemand mehr über Liga-Punkte reden. Fliegt er schon gegen Atalanta raus, beginnt die Diskussion über den kompletten Kader-Umbau – und Kompany steht erstmals auf dem Prüfstand. Die Logik der Königsklasse ist gnadenlos.
Der countdown läuft bereits
Am Dienstagabend wird sich zeigen, ob die „Tunnelvision“ mehr ist als ein Motto auf der Trainingswand. 180 Minuten trennen Bayern von einem Viertelfinal-Ticket, 180 Minuten trennen Atalanta vom nächsten europäischen Märchen. Für Stanisic ist es auch die 180-Minuten-Chance, das Trauma von Dublin zu exorzieren. Wer in der Champions League lebt, darf sich keine zweiten Siegesserie leisten. Die Uhr tickt – und sie tickt laut.
