Deutschland eingeschmolzen: 0:13 gegen usa, nur ein schuss aufs tor

Ein einziger Schuss. Mehr blieb von der deutschen Sledge-Hockey-Auswahl nicht übrig, als die US-Boys das Tempo auf Höllengeschwindigkeit schalteten. 0:13 – die Zahlen wirken wie ein Tippfehler, sind aber Realität bei den Paralympics in Mailand. Nach dem 0:12 gegen China folgt die nächste Demontage, und die Truppe von Bundestrainer Christian Jantz steht vor dem Aus.

Die Amerikaner? Vier Goldmedaillen in Folge, ein Pass-und-Puck-Carousel, das selbst italienische Kommentatoren ins Stottern bringt. Sie trafen aus jedem Winkel, spielten mit der deutschen Defensive wie mit einem VR-Headset: Jörg Wedde und Co. wirkten verpixelt, zwei Sekunden hinter der Aktion. Schon nach 04:17 lag Deutschland 0:2, nach 20 Minuten 0:6. Die Anzeigetafel in der Santagiulia-Arena zeigte am Ende 13:0, Torschüsse 44:1. Die 1.284 Zuschauer klatschten höflich – mehr war da nicht.

15 Stunden später schon das gruppenfinale – ein kraftakt mit folgen

Montag 10.05 Uhr, Italien-Partie. Drei Tage, zwei K.o.-Ergebnisse – das Programm wirkt sadistisch. „Wir müssen die Köpfe wieder hochkriegen, sonst wird es 0:10 gegen Italien“, sagte Kapitän Wedde nach der Partie, die Stimme heiser vom Gegenschreien. Der Plan: mindestens vierter Platz in Gruppe A, damit die Platzierungsrunde um Rang fünf beginnt. Das wäre das schlechteste Ergebnis seit der Rückkehr ins Paralympics-Turnier – 2006 in Turin hatte Deutschland noch Vierter werden können.

Die Zahlen sind gnadenlos: zwei Spiele, 25 Gegentore, 1,3 Prozent Puckbesitz im Mittel. Trotzdem will niemand vom „Lehrgeld“ sprechen. „Wir sind kein Entwicklungsprojekt, wir sind Weltmeister von 2010“, sagte Manager Martin Emmerling. Das Problem liegt tiefer: Der Bund fördert Sledge-Hockey mit 450.000 Euro im Jahr – ein Zehntel des US-Budgets. Die NHL-Stars spenden zwar Equipment, doch das reicht nicht, um Tempo und Physis der Konkurrenz mitzugehen.

Die maschine läuft heiß – und deutschland steht am rand

Die Amerikaner spielen eine andere Liga: sie setzen auf Carbon-Schlitten aus dem Rennsport, nutzen GPS-Tracking, um jede Drehung zu optimieren. Deutsche Akteure fahren noch Aluminium-Modelle aus der Hallen-Handwerker-Werkstatt. „Wir sind ein Rennen mit Formel-1-Boliden gegen Traktoren“, sagte Co-Trainerin Lisa Hantke. Die Gegner schießen mit 90 km/h, die deutsche Abwehr mit 60. Das Delta entscheidet Spiele vor dem ersten Bully.

Und doch: Die Stimmung im Lager bleibt stur. „Wir sind hier, um Flagge zu zeigen, nicht um zu betteln“, sagte Wedde. Gegen Italien will er die erste Parade-Parade der Deutschen liefern. Die Mailänder Arena soll nicht erneut zur Schießbude mutieren. Die Rechnung ist einfach: Sieg bedeutet Viertelfinale-Chance, Niederlage bedeutet Platzierungsrunde – und das Risiko, als erster deutscher Sledge-Hockey-WM-Teilnehmer 2027 in Seoul gar nicht dabei zu sein.

Die Uhr tickt. Die Schaufel kracht. Und Deutschland muss endlich treffen – sonst wird diese Rückkehr auf die große Bühne zur Farce.