Kompany lässt meisterschale in der küche liegen – carla sprintt zum marienplatz
Vincent Kompany stand auf dem Balkon des Münchner Rathauses, das Trikot frisch über die Hemdsärmel gezogen, und musste grinsend zugeben: Die Schale fehlte. Nicht irgendwo im Mannschaftsbus, nicht im Vereinsmuseum – nein, auf seiner eigenen Arbeitsplatte in Grünwald, zwischen Brotdose und Kaffeemaschine.
Die retterin hieß carla
Die interne Meister-Party am Samstagabend hatte offenbar länger gedauert als geplant. Kompany packte die Salatschüssel aus Silber einfach mit nach Hause, stellte sie ab – und vergaß sie. Als die Fans auf dem Marienplatz schon „Stern des Südens“ schmetterten, ratterte Carla Kompany mit dem X5 durch die Zweite Baumstraße, Schale auf dem Beifahrersitz, Warnblinker an. 17 Minuten brauchte sie. Die Uhr zeigte 11:48 Uhr, das Rathausuhrwerk schlug zwölf, und genau da hielt sie vor.
„Ich dachte, ich hätte alles im Griff“, sagte Kompany später, „aber offensichtlich bin ich besser darin, Gegner auszuhebeln als Memos.“ Die Spieler lachten, der OB nahm’s mit Humor. Die Choreografie war trotzdem perfekt: Müller hob die Schale, Carla wurde ausgebuht und gefeiert, Kompany klopfte sich selbst auf die Stirn.

Ein kuriosum mit tradition
Versteckte Trophäen sind in der Bundesliga kein Novum. 1983 ließ Uli Hoeneß den Pokal im Münchner Hofbräuhaus stehen, 2001 musste Michael Ballack die mitgebrachte Henkeldose in Leverkusen nachträglich polieren, weil Bierflecken das Logo verdeckten. Doch dass ein Trainer die Schale in der eigenen Küche parkt, setzt die Latte der Schludrigkeit neu.
Bayern-Innenminister Joachim Herrmann scherzte: „Wir prüfen, ob wir Frau Kompany einen Ehrenbeamtenstatus geben. Sie hat den Stadtetat für Eilverkehr heute allein am Leben gehalten.“ Die Polizei sicherte die Eskorte, die Feuerwehr sperrte eine Spur. München stand still für eine Salatschüssel.
Am Ende bekam Carla den lautesten Applaus. Ihr Mann durfte den Pokal halten – aber erst, nachdem sie ihm einen Kuss auf den Glatzkopf gedrückt hatte. 11,7 Millionen Menschen sahen laut BR die Liveübertragung, Tausende machten Selfies mit der Retterin. Die Meisterschale selbst? Kein Kratzer. Nur ein kleiner Klebezettel: „Nicht vergessen! – Carla“.
