Kohfeldt schaltet auf sieg: darmstadts geheime playoff-waffe

Florian Kohfeldt spricht nicht vom Aufstieg. Er spricht von Bielefeld, von Fokus, von Respekt. Und genau das macht Darmstadt 98 gerade zur gefährlichsten Mannschaft der Zweiten Liga.

Die Lilien sind Vierter, nur einen Punkt hinter Platz zwei, sieben Spiele vor dem Ende. Der Rest der Liga redet von Crunchtime, Kohfeldt redet von „dem nächsten Gegner“. Das klingt nach Standard-Klischée. Es ist Taktik. Denn wer den 43-Jährigen in den 41 Minuten des hr-Interviews hört, merkt: Der Coach hat die Playoffs schon längst im Kopf begonnen.

Warum darmstadt kein auswärtstabu mehr hat

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Auswärts holten die Lilien nur 14 Punkte – Platz sieben in der Fremde. Doch die letzten beiden Pleiten in Dresden und Magdeburg waren kein Zufall, sondern Warnschuss. Kohfeldt analysierte, stellte um, ließ die Mannschaft in Bielefeld schon vor der Länderspielpause einspielen. „Wir haben gelernt, wie man in Krisenstädten gewinnt“, sagt er. Gemeint sind nicht nur die Gegner, sondern auch die lauten Stadien, die engen Plätze, die Nerven.

Die Lösung: mehr Ballbesitz, weniger Risiko, dafür höhere Laufbereitschaft. Die Datenabteilung lieferte Grafiken, nach denen Darmstadt in engen Spielen zu 67 % in der gegnerischen Hälfte agierte – vorher waren es 54 %. Ein kleiner Schritt, eine große Wirkung. Arminia Bielefeld bekommt es mit einem Team zu tun, das sich selbst überholt hat.

Die macht des böllenfalltor-kalenders

Die macht des böllenfalltor-kalenders

Am 17. Mai kommt Paderborn. Drei Tage vorher spielt Schalke in Karlsruhe. Das letzte Heimspiel könnte ein Finale werden – und Darmstadt hat Heimrecht. Keine andere Zweitligamannschaft holte mehr Punkte vor eigenem Publikum (35). Die Fans singen seit Wochen „Wir sind das Böllenfalltor“, und plötzlich klingt das nicht nach Romantik, sondern nach Champion-mentality.

Kohfeldt will das nicht hören. Er sagt: „Wenn wir an Mai denken, verlieren wir am April.“ Das klingt nach Kopf-Kino-Verbot. Es ist Psychologie. Denn der Trainer weiß: Je lauter das Ende wird, desto leiser muss er werden. Seine Spieler sprechen intern von „Kohfeldt-Klappe“, dem Befehl, nur bis zum nächsten Spiel zu fragen. Wer weiter fragt, bekommt keinen Tweet, sondern Sprintdrill.

Die verbleibenden Gegner klingen machbar: Bielefeld (15.), Fürth (10.), Münster (12.). Aber genau das ist die Falle. Kohfeldt baut sie um zur Chance. „Jeder Gegner hat etwas zu verlieren – außer uns.“ Das ist kein Spruch, es ist die Matrix des Aufstiegs.

Wenn die Lilien am 4. April in Bielefeld gewinnen, springen sie vielleicht auf Platz zwei. Dann dürften sie sogar eine Nacht lang draufstehen. Kohfeldt wird nicht feiern. Er wird schlafen. Und träumen von Bremen-Zeiten – nur diesmal mit Happy End.