Kochs dreifach-alarm: 108,8 km hitze-tortur endet mit historischem hattrick
Drei von drei – und das bei 37 Grad im Schatten. Franziska Koch schreibt auf den Straßen von Thüringen Geschichte: die 25-Jährige krönt sich nach dem Zeitfahren zum dritten Mal in Serie zur Deutschen Meisterin im Straßenrennen der Frauen. Keine andere Aktive hat diesen Doppel seit Einführung des neuen Modus geschafft.
Die 2:15-minute, die fast alles zerstört hätte
Die Favoritinnen jagten 108,8 Kilometer lang durch die Glut. Dabei war die Strecke fast 28 Kilometer kürzer als geplant – ein Sturz in der U17 hatte den Start verzögert und die Organisatoren zur Notoperation gezwungen. Kurz vor dem Finale jagte Justyna Czapla (22) mit zweieinhalb Minuten Vorsprung Richtung Ziel. Koch, die mit Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Nele Laing ein Verfolgerquartett formiert hatte, gestand später: „Da war ich zwischenzeitlich etwas nervös.“
Aber Koch wartet bewusst. Auf den letzten 14 Kilometern schraubt das Quartett den Rückstand herunter – Meter für Meter, Tropfen für Tropfen. „Ich habe gestern gut gegessen, meine Mama hat mir noch eine Massage gegeben“, verrät Koch im MDR-Interview und klingt, als wäre das der selbstverständlichste Ritterschlag der Welt. Dann kommt die letzte Rechtskurve. 300 Meter bis zur Linie.

Lippert zündet zu früh – koch zündet richtig
Lippert, dreimalige Titelträgerin (2018, 2022, 2023), startet den Endspurt aus der ersten Position – doch Koch sitzt wie ein Schatten an ihrem Hinterrad. 150 Meter vor dem Ziel schaltet die Paris-Roubaix-Siegerin einen Gang höher und donnert mit 63 km/h vorbei. „Für Liane war es lang. Sie hat schon sehr früh angefangen und ich habe gewartet, bis ich meinen Punch gegeben habe. Von daher war es für mich perfekt“, analysiert Koch nüchtern.
Die Uhr stoppt bei 2:47:31 Stunden. Koch wirft die Arme hoch, die Temperaturanzeige zeigt immer noch 36,4 Grad. Dahinter passiert kaum etwas: Lippert wird Zweite, Czapla hält sich als U23-Zeitfahrmeisterin trotz K.O.-Reißverschluss aufs Podest. Ricarda Bauernfeind, eigentlich Mitfavoritin, fehlt wie schon im Zeitfahren – der Sturz in der Tour de Suisse nagt noch an ihren Rippen.

Ein harter mit lächeln und zahlen
Die Bilanz des Tages: 108,8 km, 1.420 Höhenmeter, 2,9 Liter Schweißverlust laut Teamdaten. Koch selbst lacht nur: „Wer in Thüringen trainiert, gewöhnt sich an alles.“ Mit diesem Sieg baut sie ihre Sammlung auf fünf (!) deutsche Meisterschaftstrikots aus. Die Konkurrenten? Sie schauen auf eine Lücke von 14 Sekunden, die sich in den letzten 200 Metern auftat.
Am Sonntag folgt das Männerrennen – doch die Frauen haben bereits die Messlatte so hoch gelegt, dass selbst das Thermometer schluckt.
