Knorr schießt deutschland zum sieg – gislasons zukunft wird zum poker
41:38 gegen Ägypten, aber die Freude hält sich in Grenzen: Deutschlands Handballer feiern einen Testspiel-Sieg, der mehr Fragen offenlässt als er beantwortet. Juri Knorr trifft dreimal binnen fünf Minuten, rettet die Oberhand – und verdrängt für einen Augenblick die Debatte um Alfred Gislason.
Der zwischenstand lügt nie
21:18 zur Pause klang nach Komfort, doch wer im Dortmunder Westfalenhallen parkte, wusste: Diese Ägypter spielen Handball, als hätten sie das Spiel neu erfunden. Sie ziehen die deutsche Deckung auseinander wie altes Gaffertape, wirbeln durch die Lücken, und plötzlich steht Omar Yahia zum 37:38 am Kreis. Eine Minute bleibt. Die deutsche Bank schreit sich heiser. Knorr ballt die Faust.
Die letzten 90 Sekunden sind ein Mikrokosmos deutscher Handball-Gegenwart: organisiert, talentiert, aber nie sicher. Knorr, Schluroff, Fischer – sie schaufeln drei Tore herbei, ägyptische Nerven kochen über. 41:38 – ein Ergebnis, das keiner vor der Sirene für möglich hielt.

Gislasons vertrag tickt lauter als die spieluhr
Während die Halle noch nach Sieg riecht, steht der Isländer bereits im Mixed-Zone-Kreis der Kameraleute. Sein Verläuft am 31. Januar 2027, genau wenn die Heim-WM endet. „Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich gerne weitermache“, sagt er, aber die Formulierung klingt wie ein Pokerspiel, bei dem der DHB noch nicht alle Karten aufgedeckt hat.
Ingo Meckes, Sportvorstand, verspricht Klarheit „noch in diesem Jahr“. Intern heißt es: Die Entscheidung soll spätestens im November fallen, damit sich niemand Monate vor dem Turnier fragt, wer am Band steht. Das klingt logisch, ist aber ein Eigentor: Je länger man wartet, desto größer wird der Druck auf den 66-Jährigen, dessen Team bei der EM Silber holte, aber in der Nations-League strauchelte.

Wolff fehlt, ludwig fischt – und freihöfer ist zurück
Andreas Wolff sitzt in Kiel, schont sich. Stattdessen rückt Lasse Ludwig ins Licht, fischt zwei Bälle in Serie, als Ägypten auf 37:38 kommt. Neben ihm Tim Freihöfer, lange außen vor, nun wieder dabei. Die Botschaft: Gislason testet nicht nur Taktik, sondern auch Loyalität. Wer bei der WM spielen will, muss jetzt liefern – egal, wie laut der Vertragsticker wird.
Die Statistik am Ende: 41 Tore, 38 Gegentore, 50 Sekunden pure Anspannung. Die Botschaft dahinter: Deutschland kann gewinnen, aber noch nicht verwalten. Das ist kein Drama, ist aber auch keine Komfortzone. In neun Monaten startet die Heim-WM, dann zählt nur noch das Endergebnis – und ob Gislason noch an der Linie steht. Die Uhr tickt. Die Antwort liegt nicht in der Halle, sondern im DHB-Büro.
