Knie-check auf dem weg nach london: kaufmanns wm-einsatz hängt am seidenen faden

Annett Kaufmanns Sprung aufs Podest in Macau ist abgebrochen – und mit ihm die Frage, ob Deutschlands Tischtennis-Hoffnung pünktlich zur WM in London wieder auf dem Parkett steht. Die 19-jährige Junioren-Weltmeisterin zog sich beim 1:3 gegen Japans Hina Hayata einen Knöchelriss zu, schleppte sich noch tapfer durch, verzichtete dann aber auf ihr zweites Gruppenspiel gegen Chinas Qin Yuxuan.

Schmerzen morgens, feierabend mittags

„Annett hatte heute Morgen noch Schmerzen im Sprunggelenk“, bestätigt Richard Prause, Vorstand Sport des Deutschen Tischtennis-Bundes. Die Entscheidung fiel kurzfristig: Reisepass in der Hand, Tape um den Fuß – und trotzdem nichts zu holen. Die endgültige Diagnose folgt erst nach der Rückkehr in Deutschland. Bis dahin bleibt alles Spekulation, doch die Frist läuft. In 28 Tagen startet die Mannschafts-WM in London.

Die Zeit ist knapp, das Programm ambitioniert. Tägliches MRT, Physiotherapie, Laufband – und dazwischen die Angst, dass das Gelenk doch nicht mitspielt. Prause will sich keine Blöße geben: „Wir gehen davon aus, dass ihr WM-Start nicht gefährdet ist.“ Eine steile These, wenn man bedenkt, dass sofortige Belastungstests nach einem Syndesmoseriss verboten sind.

London ruft – und die konkurrenz schläft nicht

London ruft – und die konkurrenz schläft nicht

Die Engländer haben das Turnier in die Copper Box verlegt, eine Arena, die atmet wie eine Druckkammer. Dort fliegen Bälle mit 180 km/h, und jedes zusätzliche Gramm Tape verlangsamt die Reaktion um Millisekunden – genug, um den Unterschied zwischen Bronze und leeren Händen zu markieren. Kaufmanns Ausfall in Macau verschiebt die Machtverhältnisse im deutschen Team. Ohne sie rückt Ni Xia Lian als Ersatzfrau nach vorn – 60 Jahre alt, erfahren, aber ohne den explosiven Vorhand-Topspin, der Kaufmann auszeichnet.

Für den DTB wird die nächste Woche zum Pokerspiel: Wetten auf eine rasche Heilung und dabei riskieren, dass eine erneute Überlastung die Verletzung chronisch macht. Oder auf Nummer sicher gehen und die Nachwuchsmodelle früher reifen lassen. Die Entscheidung fällt wahrscheinlich am 20. April, wenn das Aufgebot für London offiziell gemacht wird. Bis dahin heißt es: Schmerztabletten, Eisbad, Hoffnung.

Die Tatsache bleibt: Kaufmann ist Deutschlands jüngste Gold-Hoffnung in einem Sport, den China dominiert wie kaum einen anderen. Fällt sie aus, verschenkt der DTB nicht nur Punkte, sondern auch ein Symbol. Ein Symbol dafür, dass das deutsche Tischtennis endlich wieder mit den Großen mithalten will. Ohne Annett Kaufmann wird London ein Stück weniger laut – und ein ganzes Stück härter.