Knauff packt aus: so retteten ärzte seinen darm in letzter sekunde
Ansgar Knauff spielte 90 Minuten, dann brach sein Körper zusammen. Im Februar drehte sich der Darm des Frankfurter Flügelstürmers um sich selbst – eine Darmvolvulus, die ohne sofortigen Eingriff tödlich enden kann. „Es ging mir eigentlich gut am Vormittag“, sagt der 24-Jährige im Eintracht-Podcast. „Am Nachmittag wurde es immer schlimmer. Wir mussten den Rettungsdienst rufen.“
Die stunde zwischen leben und lazarett
Im Klinikum Frankfurt gilt Code Rot: Durchblutung abgerissen, Gewebe stirbt ab. Die Ärzte entscheiden sich für eine minimal-invasive Not-Operation, bei der sie den Darm zurückdrehen und fixieren – ohne großen Bauchschnitt, ohne Darmteil-Resektion. „Zum Glück musste nichts entfernt werden“, sagt Knauff. Die Prognose: vollständige Genesung. Die Realität: Tage voller Schmerzmittel und Fragen, ob je wieder ein Sprint über die rechte Außenbahn möglich sein würde.
Die Bundesliga pausierte, Knauff trainierte allein. Ballarbeit erst nach fünf Wochen, Sprint erst nach sieben. „Man weiß nicht, wie lange es dauert, bis man wieder fit ist“, erinnert er sich. „Jeder Tag ohne Team ist ein Tag zu viel.“ Die Eintracht hält die Karten mit medizinischen Details eng an die Brust – aus Angst, die WM-Teilnahme der deutschen U21 könnte infrage stehen. Dabei hatte Knauff gerade seinen Durchbruch gefeiert: drei Tore in der Gruppenphase der Europa League, 33 Sprints pro Spiel, neue Bestmarke in der Distance-Coverage-Statistik.

Comeback gegen mainz – mit 17 minuten leidenschaft
Am 30. Spieltag ist es soweit: 72. Minute, Böllenfalltor, 1:2-Rückstand. Dino Toppmöller winkt ihn ran. Knauffs erste Aktion: ein Antritt über 40 Meter, dessen Flatterball Maximilian Beier fast verwandelt. Die Kurve tobt, der Körper hält. „Ich spüre nichts mehr“, sagt er nach dem Schlusspfiff. „Nur noch Adrenalin.“ Datenlage: 11,3 km/h Schnittgeschwindigkeit, zwei Balleroberungen, keine Fehlpässe – Zahlen, die seine mentale Lokomotive anfeuern.
Die nächste Hürde folgt sofort. Bundestrainer Antonio Di Salvo leitet den U21-Kader für die EM-Qualifikation gegen Polen und Bulgarien um – Knauffs Name fehlt. Offiziell: „Reintegration verfolgen wir weiter.“ Inoffiziell: Die medizische Abteilung der Eintracht empfiehlt eine weitere Woche individuelles Programm, um Rezidivrisiken auszuschließen. Knauff selbst will nach Köln am 5. April angreifen. „Ich bin bereit, von Anfang an“, betont er. Der Club signalisiert: Einsatzminute ab Minute 1 ist denkbar, wenn seine GPS-Daten die alten Spitzenwerte erreichen.
Für Knauff endet eine Episode, die ihn verändert hat. Er hat gelernt, dass ein Flügelspieler nicht nur überholen muss, sondern auch über sich selbst. Die Saison ist noch lang, die Euro 2024 U21 noch offen. Und die Eintricht? Die wartet auf den nächsten Sprint – diesmal nicht ins Nichts, sondern zurück in die Realität des Tabellenkämpfers.
