Flensburg zittert vor minden: grgic zurück, pytlick nur notreserve

Die SG Flensburg-Handewitt schickt sich an, eine Woche volter Infekte und Bauchmuskeldramatik mit einem Pflichtsieg gegen GWD Minden abzuschließen. 20.00 Uhr, Campushalle – dort wird heute sichtbar, ob Ales Pajovic’ Mannschaft die Champions-League-Ränge wirklich packt.

Die Personalie Marko Grgic ist geklärt: Nach zehn Tagen mit Fieerschüben meldet er sich genesen zurück. Die andere Frage bahnt sich erst an. Simon Pytlick kann zwar laufen, aber jeder Sprint schmerzt. „Wir werden ihn schonen, nicht opfern“, sagt Pajovic. Der dänische Rückraum-Shootingstar wird maximal 20 Minuten einsetzbar sein – ein Sechstel der Spielzeit, die Flensburg braucht, um gegen den Tabellenvorletzten nicht ins Stolpern zu geraten.

Pajovic setzt auf rotation statt risiko

Pajovic setzt auf rotation statt risiko

Die Rechnung des Trainers ist simpel: drei Punkte gegen Minden, dann am Mittwoch in Magdeburg mit Pytlick in Doppelschicht. „Wir haben 23 Spieler, nicht nur zwei“, erinnert der Slowene seine Profis. Die Botschaft: Kein Heldendribbling, sondern flaches Tempospiel über die Außen. Johannessen, Wanne und der zuletzt blasse Hampus Wanne sollen früh die Weichen stellen.

Die Zahlen sprechen für Flensburg: In den letzten fünf Heimspielen kassierte die SG nie mehr als 24 Gegentore. Minden hingegen traf in dieser Saison auswärts nur 52 % seiner Siebenmeter – eine Einladung für Torhüter Kevin Møller, der nach seiner Schulterirritation wieder 100 % ist.

Die Stimmung in der Halle dürfte kochen. 4.500 Tickets sind weg, die Osttribüne wird erstmals seit 2019 wieder komplett geöffnet. Dabei steht nicht nur der Sieg im Fokus. Flensburg muss Tore machen – viele. Der goal-average gegenüber Hannover-Burgdorf ist das Zünglein an der Tabellenschraube. Je höher der Sieg, desto größer der Puffer vor dem Showdown in zwei Wochen.

Pajovic wischt die Rechnung beiseite: „Erst das Spiel, dann die Tordifferenz.“ Trotzdem lässt er in der Kabine die Klassement-Tafel hängen. Jeder Spieler kann sie sehen – und die Lücke von zwei Punkten zu Platz drei. Die Psychologie des kleinen Papiers.

Für Minden ist die Partie ein Endspiel im Abstiegskampf. Trainer Jan Gieseler reiste mit neun Nachwuchsspielern an, weil Kreisläufer Damian Kedziora und Linksaußen Lukas Blohme ihre Caps wegen muskulärer Probleme abgeben mussten. „Wir kommen nicht als Statist“, sagt Gieseler. Seine Taktik: Flensburgs Tempo bremsen, jeden Ball abtasten, mit Marin Šego zwischen den Pfosten hoffen. Der Torwart führt mit 33,1 % die Parade-Statistik an – allerdings nur bei Spielen, die Minden verlor.

Die Schiedsrichter Lars Geipel und Marcus Helbig gelten als „Zeitspiel-Strich“: Sie pfeifen im Schnitt 53 Freiwürfe pro Partie. Das könnte Minden in die Karten spielen, wenn Flensburg durch zu viele Ballverluste ins Mittelfeld rutscht.

Kurz vor dem Anwurf kursiert noch ein Gerücht: SC Magdeburg beobachtet live Scout Jörn Kretschmer die Partie. Er will sehen, wie Flensburg ohne Pytlick durch die Mitte kommt – Daten für das Topspiel am kommenden Mittwoch. Pajovic lacht: „Dann bekommt er 60 Minuten Unterricht, nicht nur fünf.“

Ab 20.00 Uhr wird klar, ob Flensburg die Unruhe der Woche in Siege verwandelt oder Minden den nächsten Außenseiter-Coup landet. Die SG hat die besseren Karten – aber im Handball reicht ein verpatztes Siebenmeter-Duo, um eine ganze Saison in Frage zu stellen.