Kloten rutscht auf rang 12: marjamäkis masterplan steht auf dem prüfstand

Die euphorische Saison 2024/25 ist nur noch ein Echo. Der EHC Kloten landet 2025/26 auf Platz 12, 16 Punkte schlechter als im Vorjahr, und verpasst die Playoffs deutlich. Die Frage ist nicht mehr, ob, sondern wie die Flughafenstädter wieder nach oben kommen.

Die talfahrt begann schon im sommer

Lauri Marjamäki warnte intern: „Wir können nicht erwarten, dass alles wieder so läuft wie letztes Jahr.“ Der Finnen hatte recht. Nach dem 7. Platz in seiner ersten Amtszeit folgte der Absturz auf Rang 12 – ein Minus von 16 Zählen, das weh tut. Die Defensive kassierte 19 Gegentore mehr, das Powerplay fiel von 22 auf 14 Prozent. Die jungen Importe brauchten länger als erhofft, um sich im neuen System zurechtzufinden. Und in der Phase nach der Winterpause platzte der Knoten: neun Spiele, ein Sieg, der Klassiker drohte.

Was rettete Kloten vor dem Super-Gau? Die Ruhe im Vorstand. Statt Marjamäki zu feuern, bekam er Nachschub – und Vertrauen bis 2027. „Wir bauen keine Sandburgen, sondern ein Fundament“, sagt Sportchef Ricardo Schödler. Das klingt nach PR, hat aber Substanz: Kein NL-Team hatte zuletzt eine so frühzeitige Kaderplanung.

Neue importe, alte dna: der klotener umbau 2026/27

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Reto Berra ersetzt Ludovic Waeber im Tor – 36 Jahre, 300 NL-Einsätze, ein Lehrmeister für Davide Fadani und Ewan Huet. Die Abwehr bekommt mit Simon Johansson einen schwedischen Powerplay-Spezialisten, der in Tampere 38 Punkte machte. Dazu kommt Arttu Ruotsalainen, zurück nach nur einem Jahr Pause: 43 Punkte in 55 Spielen 2022/23, ein bewährtes Gesicht im neuen Dress.

Die Botschaft ist klar: Kloten will nicht plötzlich Meister werden, aber den nächsten Schritt wagen. Mit nur noch einem Importplatz offen kann Schödler gezielt nach einem Top-Scorer suchen – statt wie 2025 in Panikmodus zu verpflichten. Die Mannschaft startet nahezu eingespielt in die Vorbereitung, das ist in der NL ein rares Luxusgut.

Der große Unbekannte: das Coaching-Team. Ohne Assistenztrainer Benjamin Winkler, Kimmo Rintanen und Video-Coach Tim Bertsche muss Marjamäki sein System neu justieren. Die Phase nach der Winterpause hat gezeigt: Systemhörigkeit allein reicht nicht, wenn die individuelle Klasse fehlt. Nun liegt es an ihm, aus der Wellenbewegung (Platz 9, 13, 7, 12) endlich eine Trendwende zu machen.

Kloten spielt kein Roulette mehr – sondern Schach. Der erste Zug steht, der zweite folgt im Sommertraining. Wenn die jungen Wilden Fadani, Huet und Rafael Meier mit Berra & Co. wachsen, könnte 2026/27 die Saison des Aufbruchs werden. Sonst droht der nächste Rückschlag – und die Geduld hat auch in Kloten Grenzen.