Kloten räumt auf: drei trainer fliegen vor der saison raus

Der EHC Kloten schmeißt den Trainersturm komplett um. Tim Bertsche, Benjamin Winkler und Kimmo Rintanen müssen gehen – ein Schritt, der im Klub längst überfällig schien.

Die Trennung kommt schnell, kalt und ohne große Worte. Am Freitagmittag veröffentlicht der Verein ein knappes Statement, das wie ein Schnitt wirkt: fünf Jahre Arbeit, drei Karrieren, aus. Bertsche, der die Torhüter zu National-League-Reife formte und zuletzt Videoanalysen für das Coaching-Team schnitt, sucht sich eine neue Herausforderung. Wohin, bleibt offen – nur so viel: Er will weg aus dem Flughafenstadion.

Ein abgang mit geschichte: rintanens zweiter abschied

Kimmo Rintanen verläst Kloten zum zweiten Mal. 2002 wechselte er als Spieler, 2013 kehrte er als Trainer zurück. Zwischendurch half er beim Aufstieg aus der Swiss League, assistierte in der National League und galt intern als Bindeglied zwischen Tradition und Moderne. Nun endet seine Ära abrupt, weil der Vorstand die Verträge nicht verlängert. Die Begründung: „Neuausrichtung“, mehr steht nicht da.

Benjamin Winkler trifft es härter. Der 38-Jährige war nicht nur Assistent, sondern auch Klotens ehemaliger Verteidiger. 312 Spiele trug er das Flugzeug auf der Brust, danach schwang er sich auf die Bank. Freunde aus der Kabine nennen ihn „Mr. EHC“. Jetzt muss er gehen, ohne dass Sportchef Daniel Rubin ein persönliches Statement abgibt. Schweigen als Strategie.

Was die zahlen verschweigen

Was die zahlen verschweigen

Die Statistik zeigt, warum der Klub handelt: In den letzten drei Jahren kassierte Kloten durchschnittlich 3,1 Gegentore pro Spiel – Schlusslichtwerte. Die Powerplay-Quote stagniert bei 14 %, die Bully-Quote bei 46 %. Zahlen, die Trainerköpfe kosten. Doch die Frage bleibt: Wer übernimmt die Lücken? Intern kursieren Namen wie Patrick Fischer oder Harijs Vītoliņš, offiziell herrscht Stille.

Die Fans reagieren mit gemischten Gefühlen. Auf Twitter trendet der Hashtag #KlotenClean, in den Foren spricht man von „notwendigem Schnitt“. Andere erinnern sich daran, dass gerade Rintanen und Winkler die Identität des Vereins trugen. Die Realität: Ein Traditionsclub, der seit 2018 kein Playoff-Ticket mehr löste, wagt den radikalen Neuanfang – und riskiert, das letzte bisschen Seele zu verlieren.

Am Montag beginnt das Training. Die neue Saison rückt näher, doch auf der Bank steht noch kein einziger Name. In Kloten herrscht jetzt Luftleere – und die ist lauter als jedes Spiel.