Klopp sieht bärendienst: „defensive braucht schuss adrenalin“

Jürgen Klopp hat in Brooklyn die Karten auf den Tisch gelegt – und dabei eine klare Botschaft geschickt: Deutschland kann Weltmeister werden, aber hinten rauscht noch zu viel Luft durchs Getriebe.

Keine tipps für nagelsmann – aus prinzip

Der frisch gebackene adidas-Botschafter lehnte jede Beratung zu möglichen Rotationen im Gruppenfinale gegen Ecuador knallhart ab. „Wer soll schon besser Bescheid wissen als Julian selbst?“, sagt der 59-Jährige und schlägt dabei rhythmisch die Handfläche auf den Tisch. Seine Maxime: Man geht nie spurlos in ein Spiel, nur weil es „bedeutungslos“ heißt. Siege sind Stimmungskanonen, Niederlagen bleiben im Koffer kleben.

Klopp erinnert sich an seine eigene Zeit: „Ich habe rotiert, um frische Beine und keinen Sonntagstrainer-Fußball zu liefern.“ Das klingt wie eine indirekte Aufforderung, alle Hemmschwellen gegen Ecuador niederzubrennen und den Spielfluss weiter zu kalibrieren.

Hinter den kulissen: defensive achtung vor dem achtelfinale

Hinter den kulissen: defensive achtung vor dem achtelfinale

Der ehemalige Liverpool-Coach attestierte der DFB-Elf zwar einen „richtig guten“ Klang, registrierte aber einen Hauch Säure im defensiven Umschaltmoment. „Da ist noch Spielraum – und zwar messbar“, sagt er und zieht die Augenbrauen hoch. Die Rede ist von Sekundenbruchteilen, in denen Gegner wie Ecuador mit Tempogegenstößen die Lücken aufreißen könnten.

Überraschend: Klopp nennt bislang keinen klaren Turnierfavoriten. „Ich träume von Deutschland, aber es gibt genug Teams, die morgen früh genauso gut aufstehen könnten.“ Seine Formel klingt wie ein Mantra: Qualität plus Glück plus eine geölte Abwehrkette.

Die Trinkpausen? „Definitiv zu lang“, schiebt er noch hinterher und lacht schief. Vielleicht liegt das Geheimnis genau darin: Sekunden sparen, Nerven schonen, Platz vernichten – und dann vollends Gas geben.

Am Ende bleibt eine nüchterne Erkenntnis: Deutschland hat das Potenzial, aber die Abwehr muss noch einen Zahn zulegen, will man am 19. Juli im MetLife Stadium stehen. Dafür braucht es keine Ratschläge von außen, sondern ein klares Signal von innen.