Klein deckt auf: warum ägypten-tests mehr sind als nur sparrings
Seit 17 Jahren trägt Dominik Klein kein DHB-Trikot mehr, doch wenn er redet, klingt es, als stünde er noch in der Zone links neben dem Kreis. „Ein kleines Puzzleteil“, nennt er die Doppel-Testserie gegen Ägypten. Kleine Puzzleteile entscheiden aber über Weltmeisterschaften – und die haben die 2007er-Helden buchstäblich erfunden.
Klein sieht parallelen, aber keine kopie des kaders von 2007
Als Linksaußen war er damals der Turbo der Brand-Elf. Heute sitzt der 41-Jährige vor dem Laptop und scrollt durch Alfred Gislason’s Aufgebot. „Quasi ein Update des EM-Silber-Kaders“, sagt er, ohne Bewertung abgeben zu wollen. Doch die Stimme wird schneller, wenn er über Rasmus Ankermann spricht. Der 18-jährige THW-Talent trägt noch die U19-Shorts, darf aber schon mit der großen Jungs Schnupperluft atmen. „Er hebt nicht ab – das ist das Wichtigste“, betont Klein und schlägt dabei unwillkürlich mit der flachen Hand auf den Tisch. Der Satz klingt wie ein Gebot.
Kai Häfner wiederum bleibt draußen – zumindest vorerst. 187 Länderspiele, Europameister 2016, rechte Rückraum-Instanz. Viele fordern ihn, Klein nicht. „Misha Kaufmann baut in Stuttgart sein System“, erklärt er kühl. Häfner profitiere davon, aber Gislason müsse sich fragen: „Passt er ins Raster von 2027?“ Die Antwort liegt in der Zukunft, nicht im Gestern.

Test gegen ägypten dient der selbstanalyse – nicht dem sieg
Mittwoch, 18:15 Uhr, Sonntag, 15:30 Uhr – zwei Anstoßzeiten, null Punkte, viel Daten. Die Auswertung der EM-Final-Niederlage gegen Spanien steht an, „was lief, was lief nicht“, das will Klein schriftlich sehen. Denn Silber ist schön, aber zu Hause will man Gold. Und die WM 2027 ist kein Jubiläumsmarsch, sondern ein neuer Wettkampf. Die Ägypter liefern dafür den ersten Gegenstand, nicht mehr.
Klein bleibt kritisch: „Wir reden über Details, nicht über Siege.“ Er selbst hat gelernt, dass sich Weltmeisterjahre nicht wiederholen lassen. Man kann nur neue schreiben – mit neuen Gesichtern, neuen Puzzleteilen. Ob Ankermann oder Häfner letztlich ins Bild passen, entscheidet sich nicht in zwei Testspielen, sondern in den nächsten 900 Trainingstagen bis zur Eröffnung in Berlin. Die Uhr läuft. Klein drückt auf Stopp – und leert seinen Kaffee. Dann ist Schluss mit der Nostalgie.
