12:12 Gegen tabellenführer ivrea: gaglianico bremst spitzenreiter aus und kündigt finale an
Der Punkt klingt wie ein Schlag auf den Punkt: 12:12 gegen die bislang ungeschlagene BRB Ivrea. Gaglianico stoppt die Serie der Spitze und schickt ihr selbst ein Signal – die Final Four rücken in Reichweite.
Piero amerio: „ivrea war die mannschaft, die es zu schlagen galt“
Trainer Piero Amerio hatte vor Wochen schon gewarnt, dass seine Truppe erst im Rückrundensprint zeigen würde, wozu sie fähig ist. Nun steht er vor den Journalisten, eine Kappe ins Gesicht gezogen, und spricht mit rauer Stimme: „Wir haben die beste Mannschaft der Saison ausgebremst, das ist mehr als ein Remis, das ist eine Ansage.“ Die Statistik gibt ihm recht: Ivrea kassiert erstmals seit November keinen Sieg, Gaglianico feiert nach dem zweiten FIB-Top-Team-Award der Saison den wohl wertvollsten Punkt überhaupt.
Die Tabelle spricht schon jetzt eine deutliche Sprache. Bei einem Sieg am kommenden Wochenende in Chiavari übernimmt Gaglianico Platz drei – und würde sich vorzeitig für die Final Four qualifizieren. „Die Mathematik ist auf unserer Seite“, sagt Amerio. „Es müsste schon sehr Merkwürdiges passieren, damit wir noch rausfliegen.“

Silvano cibrario: „wir sind keine underdogs mehr“
Kapitän Silvano Cibrario strahlt trotz der späten Stunde. Die Umkleide riecht nach Kaffee und Siegeszigarren, doch der Spielführer redet nicht vom Jetzt-feiern, sondern vom Morgen danach: „Wir haben zwei Neue integriert, den Rhythmus gefunden und bewiesen, dass wir mit den Besten mithalten.“ Die Botschaft ist klar: Gaglianico will nicht nur dabei sein, Gaglianico will angreifen.
Die Partie selbst war ein Lehrbuch über Nervenstärke. Vier von zwölf Durchgängen enden unentschieden – ein Novum in dieser Saison. „Boccia ist Präzisionsarbeit“, erklärt Amerio. „Wer den Kopf verliert, verliert auch die Partie.“ Sein Credo: keine All-you-can-eat-Pasta vor dem Match, keine späten Whatsapp-Gruppen-Chats, kein Alkohol. Stattdessen: leichte Mahlzeiten, mentales Training, früh ins Bett. „Körper und Geist laufen Hand in Hand. Wer glaubt, nur mit Gefühl zu spielen, wird irgendwann leer ausgehen.“

Der countdown läuft: samstag in chiavari wird gewürfelt
Die Fans haben schon Karten geordert, die Halle in Chiavari ist seit Tagen ausverkauft. Gaglianico liegt nur einen Zähler hinter dem Gegner, im Hinspiel gab’s einen knappen Sieg. Ein erneuter Erfolg würde nicht nur den dritten Platz bedeuten, sondern auch das Selbstverständnis verändern: von der Außenseiterrolle zum ernsthaften Titelkandidaten. Amerio lächelt verschmitzt: „Wir haben gezeigt, dass wir die Besten stoppen können. Jetzt wollen wir beweisen, dass wir auch die Besten schlagen können.“
Die Saison ist nicht mehr aufzuhalten, zumindest nicht von außen. Wer jetzt noch an der Tabellenspitze vorbeiziehen will, muss erst an Gaglianico vorbei – und genau das scheint nach dem 12:12 gegen Ivrea schwieriger denn je. Die Final Four rücken näher, und mit ihnen die Erkenntnis: Gaglianico ist längst keine Überraschung mehr, sondern eine Macht, die mitzählt.
