Klaebo ballert in lake placid und macht das double perfekt
Ein Schlag ins Gesicht für alle, die dachten, Grenzen gäbe es nur zum Anstoßen. Johannes Klaebo lacht sie aus. 20 Kilometer klassisch, 113. Weltcupsieg, beide Langlauf-Kristall-Kugeln in einer Saison – und das mit Gehirnerschütterung vom Vor-Wochenende im Gepäck.

Der norweger fräst sich durch den schnee wie ein turbo-bohrer
Lake Placid, 08:45 Ortszeit. Der Himmel über dem I love NY-Riesenlogo auf den Langlauf-Startnummern ist so blau, dass es wehtut. Hinter Klaebo, der in Rot startet, reihen sich vier weitere rote Anoraks ein: Amundsen, Krüger, Holund, Valnes. Die norwegische Wand bildet sich, bevor die erste Spur überhaupt aufgebrochen ist.
Was folgt, ist kein Rennen, sondern eine Demonstration. Kläbo geht nach 3,2 Kilometern in Führung, schaltet die Schrittfolge auf Hochkant-Dauerfeuer und lässt Amundsen – seinen einzigen noch verbliebenen Gegner in der Gesamtwertung – wie einen Schlitten ohne Hund dastehen. 49:39,9 steht am Ende auf der Uhr. Der Abstand zu Platz zwei: 29 Sekunden. Ein Fußball-Länderspielstand wäre knapper.
Die Zahl, die alle neben der Zielgerade ausrechnen: 15 Saisonsiege. Das ist mehr, als manche Athleten in einer Karriere zusammenbekommen. Dazu kommen zwei Staffel-Golds, fünf olympische Titel, 15 WM-Trophäen und mittlerweile sechs Gesamtweltcups. Thomas Alsgaard schaffte 1997 das Sprint-Double – Klaebo spielt jetzt in einer eigenen Liga.
Und das Beste: Mit 29 ist er gerade mal auf halber Strecke. Der Rekord für Weltcupsiege steht bei 140, aufgestellt von Björn Dählie. Bei der Geschwindigkeit, mit der Klaebo durch den Winter rast, könnte der Nordmann nächste Saison schon im Visier stehen.
Die Veranstalter in Lake Placid hatten extra eine Gratis-Hot-Chocolate-Aktion für Zuschauer angekündigt. Sie hätten besser einen Schnellkurs „Norwegisch für Anfänger“ anbieten sollen. Denn wer jetzt noch glaubt, es gäbe eine wirkliche Konkurrenz, der glaubt auch an Käse, der von selbst vom Baum fällt.
