Kinský-aus nach 16 minuten: tottenham-debakel mit zwei torhüter-patzen

Madrid – 180 Sekunden retteten Guglielmo Vicario vor dem Desaster, doch da war längst alles entschieden. Nach 16 Minuten hatte Trainer Igor Tudor genug gesehen: Der tschechische Torhüter Filip Kinský musste runter, 0:3 stand es bereits, und die Tottenham-Fans hatten ihr Pulver schon vor dem Viertelstundenpfiff verschossen. Die Champions-League-Achtertelfinal-Auswärtspleite beim Atlético Madrid ist am Dienstagabend zur Jahrhundert-Klatsche geworden – und zur persönlichen Tragödie eines Keepers, der sich in Rekordzeit selbst abgeschossen hat.

Die zwei fehler, die alles kaputtmachten

Minute 3: Kinský will kurz ausspielen, trifft den Ball nicht sauber, Julián Álvarez stochert das Leder aus fünf Metern zum 1:0 über die Linie. Minute 8: Der 31-Jährige kommt bei einem Rückpass zu spät, sein Abschlag landet bei Rodrigo De Paul – 2:0. Minute 16: Nach einem Eckball verpasst er den Absprung mit Romero, Álvarez nickt unbedrängt das 3:0. Tudor reagiert sofort: Vicario kommt, Kinský geht direkt in die Kabine, ohne sich beim Coach oder der Bank umzudrehen.

Die Statistik ist gnadenlos: Zwei Schüsse auf sein Tor, drei Gegentore – eine Quote, die selbst in den wildesten Playstation-Saisons nicht vorkommt. Für Kinský war es erst der zweite Einsatz seit dem 29. November, damals verlor Tottenham im Sechzehntelfinale gegen Frankfurt. In der Premier League stand er zuletzt am 3. März 2025 zwischen den Pfosten, ein 0:4 gegen Liverpool. Seitdem hatte Tudor auf Vicario gesetzt – bis heute.

Tudors riskante rotation fliegt auf

Tudors riskante rotation fliegt auf

Der Coach hatte vor der Partie betont, Kinský sei „technisch besser im Aufbau“, habe „die ruhigere Fußarbeit“. Was er nicht sagte: Der Italiener Vicario ist seit 14 Pflichtspielen ohne Gegentor, hatte in der Liga nur neun Treffer kassiert. Die Rotation wirkte wie ein Pokerspiel – und Tudor verlor binnen 960 Sekunden den ganzen Stack. Nach der Partie redete er sich heraus: „Ich wollte Filip das Vertrauen geben, aber nach dem dritten Tor war klar: Wir müssen den Mann und die Mannschaft schützen.“

Doch der Schaden ist irreparabel. Tottenham droht das Aus im Achtelfinale, die Stimmung im Camp ist auf dem Tiefpunkt. Die Fans skandierten schon nach dem ersten Gegentor „Vicario, Vicario!“, nach dem dritten waren nur noch Pfiffe zu hören. Kinský wird die Nacht kaum schlafen; die nächste Chance dürfte lange auf sich warten lassen.

Die Lehre: In der Königsklasse gibt es keine Testlaboratorien. Jeder Fehler wird mit dem Messer der Öffentlichkeit aufgeschlitzt. Kinský trägt nun die Narbe – und Tudor die Verantwortung für eine Rotation, die sich als Eigentor entpuppte.