Kimmich-debatte: nagelsmann vor richtungsweisender entscheidung?
Dortmund – Die deutsche Nationalmannschaft hat sich nach dem Gruppensieg bei der WM zwar eine komfortable Position erarbeitet, doch die Diskussionen um die optimale Aufstellung brodeln weiter. Besonders die Frage nach der Rolle von Joshua Kimmich sorgt für Kopfzerbrechen im Team von Julian Nagelsmann. Kann er die Defensive stabilisieren oder muss er ins zentrale Mittelfeld zurück?
Die innenverteidiger-baustelle und die doppel-sechs
Die Euphorie nach den ersten zwei Siegen im Turnier ist unverkennbar, doch die 2:1-Erfolg gegen die Elfenbeinküste offenbarte Schwächen, die vor der K.o.-Runde ausgebügelt werden müssen. Der frühe Treffer der Elfenbeinküste riss ein tiefes Loch in die deutsche Abwehr, und die mangelnde Abstimmung zwischen der Innenverteidigung und dem defensiven Mittelfeld wurde deutlich. Uli Hoeneß, der sonst eher kritische Bayern-Funktionär, lobte zwar den Kampfgeist der Mannschaft, mahnte aber auch: „Es sind aber noch schwere Brocken bis zum Titel.“
Ein besonderes Problemfeld stellt die Position von Joshua Kimmich dar. Der Kapitän, der gegen die Elfenbeinküste als Rechtsverteidiger zum Einsatz kam, hatte mit dem pfeilschnellen Yan Diomande deutliche Probleme. Christian Streich, der Ex-Trainer des SC Freiburg, forderte daher eine Umpositionierung: „Wenn er nicht die Schnelligkeit hat, muss er schon näher an der Grundlinie stehen.“ Die Frage ist nun, ob Nagelsmann Kimmich zurück ins zentrale Mittelfeld zieht, wo er seine Stärken am besten ausspielen kann. Eine weitere Option wäre, Nathaniel Brown, der bei Eintracht Frankfurt bereits als Rechtsverteidiger spielte, in die Startelf zu berufen, während David Raum auf der linken Seite den Platz einnehmen würde.
Die Doppelsechs stellt ebenfalls ein Problem dar. Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha konnten gegen die Elfenbeinküste nicht immer überzeugen. Jürgen Klopp, der „MagentaTV“-Experte, analysierte treffend: „Wir haben ganz viel Spielraum für Verbesserungen gelassen. Diese Umschaltmomente auf Defensive zum Beispiel.“ Die beiden Mittelfeldspieler sind eher Achter als Sechser und suchen eher den Weg nach vorne, anstatt Räume konsequent zu verteidigen. Die Option Leon Goretzka, der aktuell auf Vereinssuche ist, könnte hier Abhilfe schaffen. Sein entscheidender Rettungspass in der Schlussphase gegen die Elfenbeinküste zeigt seine Qualitäten.

Die joker-frage: undav, leweling und amiri
Der fulminante Einzug von Deniz Undav als Joker mit einem Doppelpack gegen die Elfenbeinküste wirft die Frage auf, ob er nun von Beginn an spielen soll. Auch Jamie Leweling und Nadiem Amiri, die ebenfalls für frischen Wind sorgten, drängen auf einen Einsatz in der Startelf. Nagelsmann selbst gab an, dass es „nicht ausgeschlossen“ sei, Undav gegen Ecuador von Beginn an zu bringen. Die Entscheidung wird zeigen, ob der Bundestrainer auf bewährte Kräfte setzt oder den jungen Wilden eine Chance gibt.
Die kommenden Tage werden entscheidend sein, um die offenen Fragen zu klären und die Mannschaft optimal auf die K.o.-Runde vorzubereiten. Die deutsche Nationalmannschaft hat zwar das Format, um erfolgreich zu sein, doch es gilt, die Schwächen auszubügeln und die Stärken zu betonen. Nur so kann der Weg zum WM-Titel auch wirklich frei sein.
