Kimmich zieht bayern mit links zum titel – sogar der bvb jubelt
Ein Schlag wie aus dem Nichts, ein Schlag mit links. In der 87. Minute donnert Joshua Kimmich den Ball aus vollem Lauf ins lange Eck, Signal Iduna Park verstummt, die Meisterschaft ist besiegelt. Die Bayern jubeln – und prompt applaudieren sogar die gelb-schwarzen Nachbarn. Selten war ein Gegentor so schön, dass der Gegner staunt statt flucht.
Kovac liefert das zitat des jahres
„Weltklasse“, sagt Niko Kovac, der BVB-Trainer, und meint damit keinen seiner Spieler. „Andere hätten das Ding unters Dach gekloppt, er hämmert es ins Netz.“ Der ehemalige Bayern-Coach weiß, wovon er spricht: Er trainierte Kimmich jahrelang. Der Unterschied, so Kovac, sei „klein, aber fein – und trägt Namen Joshua Kimmich“.
Zahlen sprechen eine andere Sprache als Schönheit. Elf Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger, zehn Spieltage noch zu spielen. Noch nie verspielte ein Klub eine solche Polster. Kimmich selbst rechnet nüchtern: „Das ist weg, die wird niemand mehr einholen.“ Der Satz klingt wie ein Gesetz, nicht wie Mutmaßung.
Dabei war Kimmich lange der Mann am Rand der Geschichten. Harry Kane jagt Lewandowskis 41-Tore-Rekord, Michael Olise zaubert mit jedem Ballkontakt, Manuel Neuer streitet sich mit der Zeit. Kimmich? Machte nur das Spiel schneller, bevor andere merkten, dass es überhaupt losgeht. Jetzt, im Endspurt, wird aus dem Regisseur der Exekutor.
Der Treffer in Dortmund war bereits sein zweiter Sieg-Knaller im Hexenkessel; 2020 hatte er per Lupfer das 1-0 erzielt. Der Perfektionist moniert trotzdem: „Unser bestes Spiel war das nicht.“ Er redet von Mentalität, von Zusammenhalt, von Schweiß, der sich in Siege gießt. Es klingt nach Selbstverständlichkeit – und genau das macht ihn gefährlich.

Atalanta wartet, kimmich war schon im bett
Am Mittwoch muss die Bayern-Maschine nach Bergamo. Atalanta schaltete den BVB aus, Atalanta spielt auf einem Rasen, der an Parkplatz erinnert. Kimmich kennt die Klagen, er kennt auch die Antwort: „Platz schlecht? Dann spielen wir eben schneller.“ Er räumt ein, das Hinspiel nicht gese zu haben – „war schon im Bett“. Um 18:45 Uhr. Ein Profi mit Kind ruft früher Schluss, ein Profi mit Zielen eben auch.
Die Saison wird am 24. Mai enden, irgendwo in Europa. Wenn Kimmich dann wieder in dicker Jacke vor der eigenen Kurve hüpft, hat er vielleicht nicht nur die Schale, sondern auch den Pokal und den Henkelpott in der Hand. Dreifach-Chance – drei Wochen Arbeit. „Das schweißt zusammen“, sagte er nach Dortmund. Gemeint war das Team. Gemeint war auch er selbst.
Bayern plant den nächsten Titel, der Rest der Liga plant schon die Sommerpause. Und Kimmich? Der plant Schlaf. Zehn Spiele, drei Wettbewerbe, eine Links-Kanone. Mehr Dusel braucht keiner.
