Kimmich und olise: clevere taktik oder taktisches foul? die uefa schaut weg
6:1 in Bergamo, zwei Gelbe, ein Verdacht – und am Ende steht der FC Bayern mit offenen Karten im Viertelfinale. Joshua Kimmich und Michael Olise fehlen zwar im Rückspiel gegen Atalanta, dafür aber nicht im möglichen Duell mit Manchester City oder Real Madrid. Die UEFA wird voraussichtlich nicht nachlegen.
Warum die sperre ausbleibt
Der Hintergrund: Beide Profis hatten sich in der 81. bzw. 86. Minute taktische Verwarnungen abgeholt – kurz nach dem 5:1. Die Folge: automatisches Fehlen im Rückspiel, aber keine automatische Verlängerung der Sperre. Laut UEFA-Regelwerk Artikel 15.1 braucht es für eine Extrastrafreue „eindeutige Beweise für vorsätzliches Kartensammeln“. Die liegen nicht vor. Selbst wenn der Verdacht im Raum steht: Ohne Geständnis oder auffällige Muster bleibt es bei der Theorie.
Kimmich lieferte direkt nach dem Schlusspfiff eine glaubwürdige Erklärung ab. „Ich wollte den Ball rausspielen, habe die Situation verplant. Der Gegner presst, ich zögere – Gelb. Ärgerlich, aber selbst verschuldet.“ Olise schwieg, doch seine Aktion wirkte eher wie ein ungestümer Grätschen als ein kalkuliertes Zeitspiel.

Ramos-präzedenzfall macht bayern hoffnung
Die Urheber der Diskussion heißen Sergio Ramos. 2019 gab der damalige Real-Kapitän offen zu, sich in der Königsklasse die fünfte Gelbe „eingefangen“ zu haben, um das Viertelfinale sauber zu starten. Die UEFA reagierte mit zwei Spielen Sperre. Doch Ramos hatte gestanden – ein Eingeständnis, das Kimmich und Olise nicht liefern. Ohne Geständnis, keine Beweislast, keine Strafe. So einfach funktioniert das Geschäft in Nyon.
Intern hört man, dass die Prüfstelle keine Videoanalyse angefordert hat. Kein Schreiben an den FC Bayern, keine Aufforderung zur Stellungnahme. Stattdessen flüstert man: „Wenn wir bei jemandem eine Absicht vermuten, müssen wir auch beweisen können, dass er sie hatte.“ Das ist in der Hitze eines 6:1-Siegs kaum möglich.
Was das für den kader bedeutet
Vincent Kompany kann im Rückspiel auf zwei Leistungsträger verzichten – und trotzdem planen. Konrad Laimer rückt für Kimmich in die Sechser-Position, der zweite Sechser-Dreh wird offen. Olises Flügel könnte Leroy Sané oder Mathys Tel übernehmen. Das Duo ist am 8. April nur Zuschauer, spätestens am 15./16. April aber wieder dabei – egal, ob Gegner City oder Madrid.
Für die Bayern ist das ein kleines Glück im großen Klassiker. Der Verdacht bleibt, die Beweise fehlen. Und so zieht der Rekordmeister mit vollem Kader in die Runde der letzten acht ein – vorausgesetzt, Atalanta bietet keine zweite Pokal-Party. Die UEFA hingegen hat andere Baustellen. Kartenspiele? Nur mit Geständnis.
