Kimi antonelli landet nach china-sieg direkt im mercedes-simulator

Kimi Antonelli trägt noch die Nudeln seiner Mutter im Gepäck, da sitzt er schon wieder am Steuer – diesmal im Brackley-Simulator. 24 Stunden nach seinem ersten Formel-1-Triumph in Shanghai schaltet Mercedes auf Dauerlauf: 19-jähriger Shooting-Star soll in Suzuka liefern, nicht länger nur glänzen.

„P1“-party auf lauda drive

Gestern um 18:05 Uhr Ortszeit rollte der Bologneser durch die Automatikschleuse des Aeroporto Marconi – blaue Kappe, Rucksack, keine Bodyguards. Immerhin: eine Hand voll Freunde hatte eine Überraschungs-Caterina organisiert, T-Shirts mit dem selbst erfundenen Slogan „tanta roba“. Dann boarding, London, M40 Richtung Silverstone-Valley. In Brackley wartete bereits das Champagner-Kühlregal: blaue Petronas-Shirts, „P1“ auf der Brust, Trophäe in der gläsernen Lobby. Via Lauda – die Straße ist nach Niki Lauda benannt – betritt Antonelli heute als Grand-Prix-Sieger die Mercedes-Zentrale, nicht mehr als Junior.

Toto Wolff schaltet sofort auf Realismus-Modus: „Es wird Tage geben, wo er die Mauer küsst. Dann braucht niemand auf Twitter sein Leben zu erklären, sondern Ruhe im Box.“ Der Tiroler kennt das Muster: ein Sieg katapultiert Teenager in die Fan-Blase, ein Crash zurück in die Kommentar-Hölle. Deshalb Sim-Sessions statt Sieges-Loopings.

Suzula-countdown: zwei tage tokio, null tourismus

Suzula-countdown: zwei tage tokio, null tourismus

Am Freitag fliegt Antonelli nach Bologna, um Samstag schon wieder Richtung Japan abzuheben. In Tokio bleiben 48 Stunden, aber keine Tempel-TikToks: „Ich will den Jetlag killen und mit meinem Ingenieur die Set-up-Liste abarbeiten“, sagt er knapp. Der Plan: Freitag Frühankunft, Sonntag frisches Konto für Setup-Tests, Montag direkt nach Suzuka, wo am 29. März die roten Lichter erlöschen.

Die Zahlen sprechen für sich: In seiner Debüt-Saison 2024 fuhr Antonelli in Suzuka als Sechster hinter Teamkollege Russell. Jetzt sitzt er im aktuell dominierenden W15, der nach dem Reglement-Reset 25 Prozent mehr Bodenfreiheit erlaubt und mit modifiziertem Heckflügel bis zu 0,18 s pro Sektor spart. Mercedes-Engineer Andrew Shovlin bestätigt: „Die Abstimmung, die ihn in Shanghai flog, ist die Basis für Suzuka – nur mit mehr Abtrieb in S1.“

Italien jubelt – und wartet auf den nächsten schritt

Italien jubelt – und wartet auf den nächsten schritt

Erstmals seit Monza 2022 stand wieder ein italienischer Fahrer ganz oben. Die Fans feiern Antonelli als neuen „Santo“ der Formel 1, doch der Teenager selbst spult Interviews im Akkord und betont wie ein Mantra: „Ich will keine Statistik, ich will Konstanz.“ Sein Idol Jannik Sinner schickte via WhatsApp eine Sprachnachricht: „Jetzt weißt du, wie ich mich nach Melbourne fühlte – nächstes Rennen gewinnst du wieder.“ Antonelli lächelt, aber nur kurz. Denn er weiß: In Suzuka erwartet ihn 130R, die schnellste Linkskurve des Kalenders, 310 km/h, g-Kräfte bis 5,2. Ein Fehler und die Schlagzeilen drehen sich.

Mercedes hat schon 37 Aerodynamik-Stunden auf dem 60-Prozent-Windkanal-Modell gebucht, um die Frontflügel-Endplatten für Japan zu verfeinern. Das Ziel: Dalla Vite soll in den S-Kurven nicht nur folgen, sondern attackieren. Teamchef Wolff blickt nüchtern: „Wenn wir in Suzuka liefern, redet keiner mehr vom Zufall.“ Für Antonelli heißt das: Sieg oder Sturz – beides würde die Erwartungsspirale weiter treiben. Eines ist sicher: Die gramigna mit Ragù ist aufgegessen, der Hunger bleibt.