Kerzhakov: vom sevilla-held zum sportberater – und sein blick auf den russischen fußball
Aleksandr Kerzhakov, einst gefeierter Stürmer und Triumphator mit Sevilla, hat eine neue Rolle angenommen. Der Russe, der mit den Andalern drei Titel feierte, pausiert seine Trainerkarriere und widmet sich nun als Sonderbeauftragter des Gouverneurs von St. Petersburg dem Sport. In einem Gespräch mit MARCA sprach Kerzhakov offen über die Auswirkungen der Sanktionen auf den russischen Fußball, seine Erfolge bei Sevilla und den Trainer, der ihn am meisten geprägt hat.
Die bittere realität des russischen fußballs
Die jüngsten Ereignisse haben den russischen Fußball in eine Krise gestürzt. Der Ausschluss von internationalen Wettbewerben, eine Folge des Krieges in der Ukraine, hat tiefe Wunden hinterlassen. „Wir können uns nicht mit den besten Mannschaften Europas messen“, bedauert Kerzhakov. „Die Liga hat an Qualität verloren, weil ausländische Spieler weggegangen sind. Wir sind isoliert vom großen Fußball.“ Die Nationalmannschaft, unter der Leitung von Valeri Karpin, ist gezwungen, auf Freundschaftsspiele mit oft exotischen Gegnern wie Nicaragua, Granada oder Brunei zu setzen, was den Leistungsstand negativ beeinflusst. Die fehlende internationale Erfahrung zehrt an den Spielern und der Liga.
Die Wurzel des Problems liegt nicht nur in den Sanktionen, sondern auch in der Notwendigkeit, die Grundlagenarbeit zu verbessern. „Wir müssen die Ausbildung der Jugendtrainer verbessern und die Qualität der jungen Spieler steigern“, fordert Kerzhakov. Er rät talentierten russischen Spielern, im Ausland zu spielen, wie Arsen Zakharyan, der nun bei Real Sociedad Erfahrungen sammelt. „Wenn sich die Chance bietet, sollte man sie ergreifen. Eine zweite Chance im Ausland bekommt man vielleicht nicht.“

Goldene zeiten in sevilla
Kerzhakov blickt mit Stolz auf seine Zeit bei Sevilla zurück. „Es war ein Traum, in Spanien zu spielen, umgeben von den besten Fußballern der Welt“, schwärmt er. Unter der Leitung von Trainer Juande Ramos und mit dem geschickten Scouting von Monchi und Víctor Orta gelang es Sevilla, eine Ära des Erfolgs einzuleiten. Kerzhakov selbst trug mit 11 Toren und 6 Assists in 47 Spielen zum Erfolg bei. Er erinnert sich an die Siege in der UEFA-Cup und dem Copa del Rey, sowie den Gewinn der Supercopa de España. Besonders in Erinnerung bleibt ihm die Saison 2006/07, in der Sevilla auch um den Titel in der Liga kämpfte. „Die Niederlage im Bernabéu gegen Real Madrid war der Knackpunkt. Wir waren einfach zu erschöpft, um auf drei Fronten zu bestehen.“

Ein blick zurück und ein blick nach vorn
Obwohl seine Zeit bei Sevilla relativ kurz war, bereut Kerzhakov nichts. „Ich konnte mich im Ausland beweisen und in einer der besten Ligen Europas spielen. Danach bin ich zurück nach Russland und habe drei Meisterschaften mit Zenit Petersburg gewonnen.“ Er verfolgt weiterhin die Entwicklungen in La Liga und besuchte Sevilla im Frühjahr 2024 zu einem Trainingsaufenthalt.
Die Stadt habe sich verändert, sei touristischer geworden. „Sevilla war früher authentischer“, bedauert Kerzhakov. Dennoch schätzt er die Menschen und das Lebensgefühl. Besonders beeindruckt war er vom Enthusiasmus der Fans, die ihn auch 20 Jahre später noch anerkennen. „In Spanien lebt man den Fußball“, erinnert er sich.
Kerzhakov betont die Bedeutung von Luciano Spalletti als prägenden Einfluss in seiner Trainerkarriere, der ihm im Zenit St. Petersburg neue Impulse gab. Er betrachtet die Arbeit spanischer Trainer in Russland mit Skepsis: „Bisher haben sie keine nachhaltigen Erfolge erzielt.“
Als Sonderbeauftragter des Gouverneurs möchte Kerzhakov nun dazu beitragen, den Sport in St. Petersburg zu fördern. „Ich bin froh, dass ich weiterhin im Sport verwurzelt bin, auch wenn ich nicht mehr aktiv auf der Bank sitze. Wenn ein gutes Angebot kommt, werde ich es prüfen.“
