Kellermann wechselt nach dortmund: bvb-frauen schnappen sich den wolfsburger architekten

Ralf Kellermann wechselt zum Sommer als Sportdirektor zu Borussia Dortmund – ein Paukenschlag im deutschen Frauenfußball. Der 57-Jährige, der den VfL Wolfsburg in 17 Jahren zu Europas Spitze führte, unterschreibt bis 2029 und soll den BVB aus der Regionalliga in die Bundesliga katapultieren.

Der mann, der wolfsburg erfand, startet beim bvb durch

Kellermanns Vita liest sich wie ein Manifest des kontinuierlichen Erfolgs: 2008 kam er als Trainer, drei Jahre später folgte der Aufstieg in die Bundesliga. 2013 holte er das Triple – Meisterschaft, Pokal, Champions League. Insgesamt 20 Titel gewann der Klub unter seiner Ägide. Doch seit 2023 ging die Meisterschaft an den FC Bayern, Wolfsburgs Dominanz bröckelt. Für Kellermann ist der Abschied daher kein Abrutschen, sondern ein bewusster Neuanfang.

Beim BVB erwartet ihn ein Projekt im Rohbau. Gegründet 2021, spielen die Dortmunderinnen aktuell in der Regionalliga West. Doch die Signale sind klar: Carsten Cramer spricht von „maximaler Ambition“, der Klub investiert in Infrastruktur, Personal und Nachwuchs. Mit Kellermann holt man sich nun den Architekten, der einst aus dem VfL eine europäische Powerhouse schuf.

Was dortmund von wolfsburg lernen muss

Was dortmund von wolfsburg lernen muss

Die Zahlen sind eindeutig: Wolfsburg führt die ewige Frauen-Bundesliga-Tabelle an, generiert durchschnittlich 1,4 Millionen Euro Jahresumsatz pro Spielerin und besitzt eine Akademie, die mittlerweile 80 Prozent des Kaders speist. Dortmund dagegen arbeitet noch mit einem Etat, der sich eher an zweitklassigen Männerklubs orientiert. Kellermann wird dies ändern müssen – und er wird es ändern.

Ein Detail verrät viel: Als Kellermann 2008 nach Wolfsburg kam, hatte der Klub gerade einmal 18 Mädchen in der Jugend. Heute sind es über 200. Dortmund startete mit 12, mittlerweile sind es 60. Die Skalierung steht bevor. Kellermanns Netzwerk wird helfen: Er gilt als Verhandlungsgenie, lockte Spielerinnen wie Pernille Harder oder Alexandra Popp nach Wolfsburg. Letztere hatte zuletzt öffentlich einen Wechsel zum BVB ins Spiel gebracht – ein erstes Indiz für die Anziehungskraft, die Kellermann mitbringt.

Der zeitplan ist eng, der druck groß

Der zeitplan ist eng, der druck groß

Bis 2027 will Dortmund in die Bundesliga aufsteigen, 2029 um die Meisterschaft mitspielen. Ein Zeitplan, der sportlich wie wirtschaftlich ambitioniert ist. Doch Kellermann kennt solche Vorgaben. Er baute Wolfsburg nicht mit Millionen-Transfers, sondern mit klaren Strukturen, langfristiger Planung und einem Netzwerk von Scouts, das bis in die niederländische Provinz reicht.

Die Frage ist nicht, ob er es schafft – sondern wie schnell. Die Antwort wird sich am 1. Juli zeigen, wenn Kellermann offiziell das Zepter übernimmt. Dann beginnt eine neue Ära im Frauenfußball-Westen. Und Kellermann? Der wird wieder einmal anfangen, Geschichte zu schreiben – nur dieses Mal in Schwarz-Gelb.