Kaufmann bricht ab – dtb bangt vor wm um deutsche hoffnung
Annett Kaufmann hat beim World Cup in Macau das rechte Knie aufgerissen, nicht nur den Knöchel. Die 19-Jährige schleppte sich nach dem Umknicken gegen Hina Hayata noch über die Platte, verlor 1:3, dann brach sie zusammen. Schon in der Nacht schwoll das Gelenk so stark an, dass sie das zweite Gruppenspiel nicht antrat. Die Mannschafts-WM in London rückt in 25 Tagen näher – und mit ihr die Frage, ob Deutschlands Ausnahmetalent rechtzeitig wieder springen kann.
Diagnose folgt erst in deutschland
Richard Prause, Sportvorstand des Deutschen Tischtennis-Bundes, klingt auf SID-Anfrage seltsam entspannt: „Wir gehen davon aus, dass ihr WM-Start nicht gefährdet ist.“ Doch die Sätze wirken wie ein Mantra, nicht wie eine Gewissheit. Kein MRT in Macau, kein Ultraschall, nur ein Kompressionsverband und Schmerzmittel. Die endgültige Diagnose bekommt Kaufmann erst in München – wenn sie wieder landet. Prause spricht von „Schmerzen im Sprunggelenk“, doch das ist Code für: Wir wissen noch nicht, ob Bänder gerissen sind oder nur gedehnt.
Die Chrono ist gnadenlos. Am Dienstag war die Absage gegen Qin Yuxuan, am Mittwoch Abflug, am Donnerstag Untersuchung, am Freitag erste Therapie. Dann beginnt der Countdown: maximal vier Wochen, um ein 19-jähriges Weltklasse-Knie wieder matchfit zu bekommen. Die Junioren-Weltmeisterin von 2023 ist nicht irgendwer – sie ist das Projekt, mit dem der DTB in Paris 2024 Medaillen rechnet. Ohne sie läuft nichts.

London ruft – und die gegnerinnen lächeln
Die Mannschafts-WM vom 28. April bis 10. Mai ist kein Nebenschauplatz. In der Copper Box Arena treffen China, Japan, Korea – und eben Deutschland. Die Gruppenauslosung beschert dem DTT-Team gleich am zweiten Spieltag die Asien-Topstars. Kaufmann sollte als zweite Einzelspielerin hinter Han Ying die Punkte holen, die Shan Xiaona oder Nina Mittelham nicht tragen können. Fällt sie aus, rückt eine Ersatzfrau, die bisher nur Doppel gespielt hat. Das ist kein personelles Rückschlagloch, das ist ein Kollaps.
Und die Konkurrenz weiß es. Im chinesischen Camp wurde schon gefragt, ob „die Kleine mit dem Boomerang-Aufschlag“ dabei sei. Die Antwort lautet derzeit: vielleicht. Prause betont, man wolle „nicht übermenschliche Zeiten“ erzwingen. Doch genau das wird gefordert sein: ein medizinischer Sprint gegen Kalender und Gegner.
Die letzte Szene in Macau: Kaufmann humpelt mit verbundenem Knöchel durch die Mixed-Zone, Tränen in den Augen, ein Dolchstoß in der Stimme: „Ich will nicht die nächste sein, die verletzt in die Heimat fliegt.“ Der DTB kann nur hoffen, dass diese Sorge nicht Realität wird. Die WM-Tickets sind gebucht – ob das Talent mit an Bord geht, entscheidet sich in den nächsten Tagen.
