Kauczinski will wiesbaden stoppen: 1860 jagt den svww
Markus Kauczinski kennt jeden Trick, den der SV Wehen Wiesbaden kennt – denn er hat sie selbst erfunden. Am Samstag sitzt er auf der gegnerischen Bank, schickt seine Löwen in die 3. Liga-Partie und könnte dem alten Klub mit einem Sieg den Aufstiegskurs vermasseln. Das Duell der Verfolger in München ist mehr als ein Spiel: Es ist ein Schlagabtausch zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Kauczinski hat 1860 wieder auf kurs gebracht
Als der Coach im Oktober 2025 nach München kam, stand der TSV auf Abstiegsplatz 15. Jetzt, fünf Siege später, sind die Löwen Dritter – und das, obwohl der Kader vor der Saison schon als überdimensioniert galt. „Wir waren abgeschrieben, keiner hat mehr auf uns gesetzt“, sagt Kauczinski. Dabei hat er dieselbe Mannschaft genommen, die zuvor orientierungslos wirkte, und ihr eine neue Kompaktheit eingetrichtert. Die Statistik spricht klar: 13 Punkte aus den letzten fünf Spielen, nur zwei Gegentore.
Daniel Scherning, sein Nachfolger in Wiesbaden, schaut von der anderen Seite des Tisches. Er lobt, aber er warnt auch: „Markus hat es geschafft, das Ding in die richtige Richtung zu lenken.“ Für Scherning ist das ein Déjà-vu: Erst musste er die Hessen nach Döring’s Entlassung retten, nun soll er sie wieder in die Relegation führen. Dabei plagt ihn ein Problem: Auswärts wacht sein Team erst auf, wenn es brennt. Mit dem Rücken zur Wand, so sagt er, „wünsche ich mir von der ersten Minute an.“

Personalsorgen beim svww
Die personelle Lage verschärft den Druck. Florian Hübner fehlt gelbgesperrt, Niklas May muss nach der Roten Karte in Saarbrücken zuschauen. Florian Stritzel und Simon Stehle fallen langfristig aus, Donny Bogicevic und Ole Wohlers sind fraglich. Scherning muss seine Startelf umbauen, gerade in der Abwehr. Die Lücke rechts könnte Youngster Luis Kuhn füllen, der bisher nur 126 Minuten auf dem Buckel hat.
Kauczinski dagegen kann aus dem Vollen schöpfen. Kevin Volland und Florian Niederlechner bilden das teuerste Sturmduo der Liga, davor wirbeln Sascha Mölders und Marcel Bär an den Flügeln. Die Münchner haben in dieser Saison schon 51 Tore erzielt – mehr als jeder andere Klub. Die Frage ist nicht, ob sie Torgefahr entwickeln, sondern wie schnell Wiesbaden reagieren kann.
Die relegation ist zum greifen nah
Ein Sieg würde 1860 auf Relegationsplatz zwei springen lassen, Wiesbaden dagegen aus den Top-Fünf katapultieren. Die Tabelle ist so eng wie selten: Vier Punkte trennen Platz drei von Platz acht. „Beide haben eine spannende Ausgangsposition“, sagt Scherning – und meint damit, dass seine Mannschaft gewillt sein muss, Risiko einzugehen. Bei sieben Heimsiegen in Folge ist der BRITA-Arena die Formularfrage vorprogrammiert, doch auswärts holte der SVWW nur acht Punkte aus den letzten sieben Spielen.
Kauczinski selbst schwärmt von der „Sehnsucht der Löwen-Fans“. Er kennt sie, er teilt sie. 2023 feierte er mit Wiesbaden den Aufstieg, wurde dabei hochgetragen. Nun will er sie stoppen. Das Stadion an der Grünwalder Straße wird kochen, 15.000 Fans werden ihn anfeuern – und einige wenige aus Hessen werden an ihre eigene Meisterfeier zurückdenken. Die Chance auf Revanche ist da, aber sie ist verdammt schmal.
Am Ende zählt nur eins: Wer gewinnt, rückt dem Traum von der 2. Liga einen Schritt näher. Wer verliert, muss wieder von vorne beginnen. Kauczinski gegen seine Vergangenheit, Scherning gegen seine Statistik. Das Ergebnis wird zeigen, ob die Löwen weiter aufstiegsreif sind – oder der SVWW doch noch die Killerinstinkte findet, die ihn einst zum Aufstieg führten.
