Katze katsigiannis: 16 jahre nach vertrag debüt für hannover-burgdorf
Ein Magen-Darm-Virus verschiebt die Geschichtsbücher. Weil Stammkeeper Joel Birlehm am Samstag nur noch Spuren von Toast und Elektrolytlösung im Körper hat, rückt ein 43-Jähriger mit Startnummer 29 zwischen die Pfosten der TSV Hannover-Burgdorf – und beendet ein Schweigen von 16 Jahren.
Nikolas „Katze“ Katsigiannis, eigentlich Torwart-Trainer, wurde 2010 schon einmal verpflichtet, damals 27, mit frischem Kreuzband und großen Plänen. Ein Riss, zwei Operationen, null Bundesliga-Minuten. Jetzt, im Januar 2025, steht er plötzlich im Auswärtsspiel gegen Frisch Auf Göppingen und fängt den ersten Wurf, den sein ehemaliger Schützling Simon Gade ihm zuspielt. Die Arena tobt, die Mitspieler lachen, die Uhr läuft.

Die katze springt – und die abwehr versagt
Göppingen führt zur Pause 15:11, weil Hannovers Rückraum zu oft den Zugriff verpasst und acht technische Fehler schenkt. Die Gäste treffen fast 80 % ihrer Würfe – ein Auswärtswert, der gegen Katze Katsigiannis keine Makulatur erlaubt. Er pariert dreimal, verliert kein Nervenkampf, aber er kann auch keine Lücken flicken, die seine Vorderleute offen lassen.
Nach der Pause erhöht Göppingen auf 23:17. Die 9 900 in der ZAG-Arena schreien „Schieber“, weil Schiedsrichter Hellbusch und Jansen zwei Kreuzpass-Entscheidungen umdrehen. Hannover wirft dagegen wie betrunken: Absprungfehler, zu spät, zu wild. Die Führung der Schwaben wird nie kleiner als vier Tore. Schluss 28:22, Katsigiannis macht 7 Paraden, kassiert 15 Gegentore – und darf sich trotzdem feiern lassen.
Das ist die kuriose Pointe: Erst der Magen-Darm-Virus, dann die Bundesliga-Legende. Katsigiannis hat in 16 Jahren zwölf Klubs gesehen, darunter THW Kiel und Rhein-Neckar Löwen, aber sein erstes Pflichtspiel für Hannover-Burgdorf bekommt er mit 43, in einem Spiel, das seine Mannschaft verliert. Manchmal braucht die Geschichte einfach eine zweite Einlage – und einen Infekt im Kader.
