Katharina hennig dotzler stolpert über eigene leere – kläbo siegt mit schädel und ehrgeiz

Katharina Hennig Dotzler schleppte sich über die Zielgerade von Lake Placid wie ein „nasser Waschlappen“. Platz 24, 1:22 Minuten Rückstand, Saison-Ende – und ein Geständnis, das selten so offen aus deutscher Skispitze kommt: „Körperlich war das eines der härtesten Rennen meiner Karriere.“ Der Olympiasiegerin geht einfach die Puste aus, und sie sieht es ein.

Die schwedinnen feiern, deutschland zählt nur sekunden

Linn Svahn und Frida Karlsson ließen derweil die US-Pisten beben – Doppelsieg für Schweden, einmal mehr. Hennig Dotzler, sonst im klassischen Stil eine Macht, fand keine Antwort. Helen Hoffmann wurde 22., bestes deutsches Resultat, aber das klingt nach Trostpunkte in einem Rennen, das vor allem zweierlei offenbarte: Der Russische Winter ist längst vorbei, der eigene noch länger.

Die Kraftlücke zeigt sich seit Peking. „Seit Olympia ist bei mir körperlich komplett die Luft raus“, sagte sie nach dem Zieleinlauf. Kein Jammer, nüchterne Feststellung. Jetzt heißt es: „Körper und Geist“ zu hören – Code für: Pause, sofort.

Kläbo fliegt trotz sturz und gehirnerschütterung an alle vorbei

Kläbo fliegt trotz sturz und gehirnerschütterung an alle vorbei

Während Hennig Dotzler Stillstand verkündet, jagt Johannes Hösflot Kläbo weiter der ewigen Bestmarke hinterher. Acht Tage nach seinem Spektakelsturz in Drammen holte der Norweger seinen 112. Weltcup-Sieg – mit Gehirnerschütterung im Gepäck und trotz Aussetzens in Oslo. Fünf Norweger belegten die Plätze eins bis fünf, Elias Keck folgte als bester Deutscher auf Rang 39 – mehr als zwei Minuten Rückstand, Zukunftsmusik.

Kläbo selbst schien sich selbst zu überraschen: „Ich bin einfach froh, dass das Hirn noch funktioniert und die Beine noch mehr.“ Die Jagd auf Marit Bjørgens 114 Siege lebt, seine nächste Chance kommt schon in drei Tagen – und er wirkt, als hätte er den Sturz längst abgehakt.

Für Hennig Dotzler ist das Wochenende in den USA das Saisonfinale. Kein Weltcup mehr, keine Langläufe bis zum Sommer. Die 29-Jährige wird erst einmal das tun, was Spitzensportler so selten wagen: abbremsen. „Ich muss auf meinen Körper hören“, sagte sie – und meinte damit wohl auch: Ich muss auf mich hören, bevor der Körper aufhört, zu antworten.