Karl fehlt – und plötzlich steht sané wieder im rampenlicht

Lennart Karl schaut nur. Der 18-jährige Flügelflitzer, der vor vier Wochen noch als Joker gegen Italien jubelte, verfolgt die letzte Generalprobe der DFB-Elf vom TV-Sofa aus. Muskelbündelriss. Turnier-Aus. Die Uhr tickt für den Jungen, doch für Julian Nagelsmann tickt sie lauter – heute Nacht um 20.30 Uhr in Washington gegen Gastgeber USA.

Sané bekommt die bühne – und die letzte bewährungschance

Leroy Sané, 30, jahrelang Hoffnungsträger, zuletzt nur Randnotiz. Jetzt darf er auf rechts von Beginn an zeigen, dass er nicht nur die Diagonale trifft, sondern auch die Schlagzeile. Die Entscheidung fiel gestern nach dem Abschlusstraining: Sané übernimmt Karls Platz, seine erste Startelf seit dem 0:3 in Stuttgart gegen Japan.

Die Aufstellung liest sich wie der Plan B, der zum Plan A wurde: Oliver Baumann im Tor – Manuel Neuer schont die empfindliche Wade, Joshua Kimmich als Linksverteidiger, weil links hinten eben auch ein Weltklasse-Problem wohnt. Davor Pavlović und Nmecha als Abrissbirnen, Wirtz und Musiala treiben das Spiel, Sané und Havertz sollen die USA knacken.

Havertz statt undav – nagelsmann setzt auf routine statt form

Havertz statt undav – nagelsmann setzt auf routine statt form

Kai Havertz startet, obwohl Deniz Undav am Samstag gegen Finnland mit einem Doppelpack Matchwinner war. Grund: Havertz braucht Rhythmus, Undav hat ihn gerade erst gefunden. Champions-League-Finale hin, Pokalfinale her – Nagelsmann will wissen, ob sein Stürmer die Lücke zwischen Mittelfeld und Spitze auch gegen einen Gegner füllt, der nicht nur spielt, sondern auch drückt.

Keeper-Baustelle: Neuer fehlt zum zweiten Mal in Folge. Die Wade, immer diese Wade. „Wir erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass das Turnier perfekt verläuft“, sagte Nagelsmann gestern zur BILD. Klingt nach medizinischem Minimalismus, ist aber taktisches Kalkül: Ein fitter Neuer in Gruppenphase zwei ist mehr wert als ein angeschlagener Held im Eröffnungsspiel.

Auf dem rasen zählt jetzt nur noch selbstvertrauen

Auf dem rasen zählt jetzt nur noch selbstvertrauen

Die US-Boys um Christian Pulisic und Giovanni Reyna wollen den WM-Gastgeber-Selbstvertrauen-Booster. Deutschland braucht ihn dringender. Nach dem 2:1 gegen Finnland wirkte die Elf wie ein Auto mit neuem Motor, aber altem Benzin. Heute soll es endlich spritzen.

Um 22.45 Uhr deutscher Zeit steht fest: Spielt Sané sich fest? Hält Baumann die Null? Und wie wirkt sich Karls Fehlen auf die Chemie aus? Die Antworten entscheiden, ob die WM-Generalprobe ein Selbstgespräch oder ein Statement wird.

Die Mannschaft hat den Kader, Nagelsmann hat die Idee. Jetzt muss nur noch der Rasen die Wahrheit sagen. In zwölf Tagen in Katar beginnt der Ernstfall – und keiner darf mehr nur zuschauen.