Karazor steht vor der wm-tür – und stuttgart vor einem sommer voller protagonisten

Atakan Karazor trägt derzeit zwei Trikots, die beide nach Katar verlangen. Das eine in Weiß-Rot, das andere in Weiß-Grün. Die Botschaft von Vincenzo Montella war kaum länger als ein Freistoß, aber sie schlug ein wie ein Kopfball in den Winkel: Türkei, März, Play-offs. Der Kapitel des VfB Stuttgart hat eine Einladung in die türkische Nationalelf bekommen – und damit die Chance, sich sein persönliches Sommermärchen zu schreiben.

Der anruf kam vor dem leipzig-spiel

Sonntag, 12:34 Uhr. Karazor steht im Mannschaftshotel, die Stimme des Trainers am Ohr. Montella spricht, der Mittelfeldspieler hört nicht mehr. „Ich freue mich sehr“, sagt er später, aber das ist Untertreibung. Die Nachricht wirkt wie ein Doping für die Seele. Drei Stunden später gewinnt Stuttgart 1:0 gegen RB Leipzig – und Karazor gewinnt sich selbst zurück, nachdem Jungstar Chema ihn in der Hinrunde kurz hatte schwitzen lassen.

Jetzt steht Rumänien am 26. März auf dem Programm, im Falle des Erfolgs entweder Slowakei oder Kosovo fünf Tage später. „Wenn du zur WM willst, musst du diese Mannschaften schlagen“, sagt er mit der Gelassenheit eines Mannes, der in der Bundesliga schon genug K.-o.-Spiele gewonnen hat. Istanbul wird zum Hexenkessel, Karazor zur Brandschutztür vor der Abwehr – und das nicht nur im Verein.

In stuttgart formiert sich ein wm-kontingent

In stuttgart formiert sich ein wm-kontingent

Sebastian Hoeneß spricht es laut aus: „Ich hoffe auf viele Stuttgarter Spieler.“ Gemeint ist nicht nur Karazor. Deniz Undav schießt sich gerade mit Toren in Serie in die deutsche Diskussion, Angelo Stiller ist ohnehin gesetzt. Der VfB droht, im Winter kurz zu wirken, könnte aber im Sommer ganz groß auftreten – mit einem eigenen Quartett im Koffer.

Der Trainer bleibt trotzdem auf dem Boden. „Die Jungs müssen ihre Leistung bringen“, sagt er und meint: Keine Geschenke, keine Garantien. Selbst wenn einer fehlt, „ist immer noch ein bisschen Zeit“. Das klingt nach Realo-Talk, ist aber ein Stimmungsbild aus der Mercedesstraße: Hier glaubt man nicht an Wunder, sondern an Werte. Und an Karazor, der gerade gelernt hat, dass ein Anruf reicht, um eine Karriere neu aufzurollen.

Die Play-offs sind das Zwischenspiel, die WM das Endziel. Für Karazor, für Stuttgart – und für einen Verein, der endlich wieder mit Spielern statt mit Geschichten glänzen will.