Kap verde schreibt wm-geschichte: argentinien wartet
Keine Niederlage, keine Siege – und trotzdem weiter. Kap Verde steht nach drei Remis sensationell im Achtzehntelfinale und trifft nun auf Lionel Messi. Das 0:0 gegen Saudi-Arabien genügte, weil Spanien Uruguay gleichzeitig bezwang.
Spanien schiebt das wunder nach vorn
In der 44. Minute brach Jubel aus, der 6.000 Kilometer entfernt entstand. Als Spanien gegen Uruguay in Führung ging, kletterte Kap Verde in der Live-Tabelle auf Platz zwei. Die Spieler wussten es sofort, die Fans auf der Tribüne noch nicht. Ein Trainerstab-Mitglied sprintete zum Spielfeldrand und schrie die Nachricht Richtung Bank. Georgios Donis, in Esslingen geboren und seit 2023 Nationaltrainer der Blauhai-Inseln, atmete tief durch. Sein Team hatte 180 Sekunden vor der Pause das erste Mal realisiert: Das Märchen lebt.
Die Partie selbst war lange ein Abnutzungskampf im Mittelfeld. Saudi-Arabien wirkte ideenlos, Kap Verde diszipliniert. Schiedsrichter François Letexier rückte unfreiwillig ins Zentrum: Erst traf ihn ein Befreiungsschlag am Kopf, später stolperte er über Jamiro Monteiro. Beide Male blieb das Spiel fließend – dank einer neuen Regel, die Fouls im Mittelfeld nicht mehr sofort unterbricht.

Der verletzte tambakti und die mutter mit fähnchen
Hassan Tambakti musste nach einem unglücklichen Umdrehen mit sechs Helfern vom Feld getragen werden. Sein Knöchel schien um 90 Grad verdreht, das Stadion verstummte für Sekunden. Auf der anderen Seite hielt Vozinha, der 38-jährige Keeper, seine Elf mit zwei Glanzparaden im Spiel. Die Kamera fand seine Mutter, die mit einem winzigen Kap-Verde-Fähnchen vor Aufregung zitterte.
In der 82. Minute hätte Laros Duarte das Tor des Jahrhunderts erzielen können. Nuno Da Costa schickte ihn mit einem Pass, der noch in den Lehrbüchern stehen wird, doch Mohammed Al-Owais war schneller. Der saudi-arabische Keeper reagierte wie ein Katzenmensch, flog quer durch den Strafraum und wehrte zur Ecke ab.

Argentinien ist nur noch ein flug entfernt
Mit dem Schlusspfiff brachen 15.000 Kap-Verdianer in Tränen aus. Die Mannschaft, die vor einem Jahr noch um die Qualifikation für die Afrika-Cup zitterte, steht nun im Hard-Rock-Stadium von Miami. Dort wartet Messi – und ein Kontinent, der sich fragt, wie weit ein Land mit 550.000 Einwohnern reichen kann.
Drei Spiele, drei Remis, kein Sieg. Trotzdem weiter. Sport kann so absurd sein. Und so schön.
