Kane demoliert bergamo und bayern zieht mit jugendwelle ins viertelfinale

Harry Kane schoss den Ball zweimal in dieselbe Ecke – und Atalanta zweimal aus dem Wettbewerb. Mit einem Doppelpack, einem Assist per reiner Anwesenheit und einem Lächeln wie nach einem Spaziergang im Hyde Park schickte der Engländer die Bayern auf 4:1 und ins Viertelfinale. Die Allianz Arena bebte vor allem nach dem Seitenwechsel, als Vincent Kompany eine Jugendwelle über den Rasen rollen ließ, die Bergamo wegspülte.

Der elfmeter war nur die apéritif

26. Minute, Verwarnung für Scamacchias Handspiel, Kane stellt sich, atmet zweimal tief durch und schlenzt den Elfmeter wie aus dem Lehrbuch: flach, halbrechts, unhaltbar. Doch das war nur das Warm-up. Nach der Pause zog der Kapitän die nächste Schleife: Drehung am Sechzehner, Spannschuss aus 18 Metern, 2:0, keine Chance für Carnesecchi. Das 3:0 leitete er mit einem Lauf nach außen ein, der Lennart Karl die Bühne eröffnete. Drei Tore, drei Akteure, ein Plan.

Die italienische Presse wird morgen über Kane als systemischer Störfaktor schreiben. Denn wenn der 31-Jährige steht, verändert sich nicht nur die Linienverteidigung der Gäste – er verändert die Geometrie des ganzen Spielfelds. Tah rückt höher, Pavlovic kann in Halbräumen doppeln, Guerreiro findet Räume zwischen den Ketten. Kurz: Bayern spielen plötzlich wie mit einem zusätzlichen Mann.

Kompany setzt auf kids statt kalender

Kompany setzt auf kids statt kalender

Der belgische Coach tauschte dreimal vor der 75. Minute – und zweimal durfte ein Teenager ran. Filip Pavic, gerade 16 geworden, machte rechts Außenverteidigung dicht wie ein Tresor; Deniz Olfi, 18, lieferte nach 34 Sekunden die Vorlage zum 3:0. „Ich schaue nicht auf den Pass, ich schaue auf die Beine“, sagte Kompany später. Die Beine der Kids waren schneller als die Erfahrung der Italiener.

Leon Goretzka spielte Kimmich-Ersatz ohne Aufregung, Pavlovic dirigierte das Tempo wie ein Metronom. Die Statistik: 68 Prozent Ballbesitz, 17:5 Torschüsse, 4,1 erwartete Tore – Zahlen, die Bergamo in die Provinz zurückschicken.

Urbig hält, weil er muss – und weil er kann

Urbig hält, weil er muss – und weil er kann

Jonas Urbig, 22, erst vor Tagen nach Gehirnerschütterung zurück, kratzte in der 43. Minute einen Handgelenk-Paradeur aus dem Ärmel. Scamacchia stand blank, Urbig war schneller. Die Kurve sang sein Namen, und Neuer musste neben der Bande lächeln. Nach dem Gegentreffer in der 79. Minute warf er sich demonstrativ in den nassen Rasen – eine Geste, die sagte: „Okay, aber jetzt reicht’s.“

Die Abwehr stand so hoch, dass Tah und Kim Min-jae fast in der Mittellinie Verteidigung spielten. Bergamos Zapata sah nur Rückennummern. Die Süddeutsche wird morgen titeln: „Kompany’s Hochsicherheitstrakt“.

Der countdown für madrid läuft

Am 8. April geht’s nach Madrid – wahrscheinlich gegen Real. Kim fällt wegen Gelb-Sperre aus, Upamecano kehrt zurück. Die Frage wird lauten: Wer stoppt Kane? Die Antwort lautet: zurzeit niemand. Der Mann hat in 33 Pflichtspielen 36 Tore, zehn Vorlagen und eine Art Gravitationsfeld um sich herum. Wenn er sprintet, zieht er Verteidiger wie Satelliten mit.

Die Münchner Fans sangen nach Abpfiff „Viertelfinale, wir kommen“ – und meinten damit nicht nur das Stadion. Sie meinen den ganzen Pokal. Nach diesem Abend ist klar: Wer den Bayern begegnet, trifft auf einen Gegner, der gerade erst erwacht.