Kanada zertrümmert schweden in fribourg und zeigt, warum der pokal wieder nach norden soll

Fribourg – 60 Minuten, 8 Tore, ein Olympia-Rematch und am Ende steht ein Statement: Kanada schlägt Schweden 5:3, zündet die nächste Titeljagd und schickt den Rekordrivalen direkt in die Lernphase. Die Treffer von John Tavares (3.) und Ryan O'Reilly (17.) sahen noch nach Routine aus, doch was danach passierte, war alles andere ein Schaulaufen.

Schweden schlägt zurück, doch kanada hat die antwort parat

Die Trekkingschnüre der Three-Crown-Defense rissen in Minute 29 und 32: Jacob Larsson und Lucas Raymond bügelten den Rückstand binnen 136 Sekunden aus. Die Kanadier schüttelten sich kurz, antworteten durch Dylan Holloway (35.) – und prompt konterte Mattias Ekholm, Holloways Klubkollege aus Edmonton, nur 61 Sekunden später. 3:3 nach 40 Minuten, die Hallenmauer bebte.

Doch wer die letzten WM-Turniere verfolgt hat, weiß: Kanada besitzt in Drittel drei einen Extra-Gang. Connor Brown nutzte ein lose Puckstück vor dem Kasten, Dylan Cozens schmiss den Rückhand-Blocker durch den Fünfmeter-Raum – 5:3, die Scorerliste verzichtet diesmal großzügig auf die Namen Sidney Crosby und Macklin Celebrini. Die Leader wirken trotzdem: Sie kontrollieren Face-offs, ziehen Match-Strafen ab, schwächen die gegnerische Top-Linie. Statistiker sprechen von „indirekten Punkten“ – Coaches nennen es Führung.

Die kühle bilanz: kanada fehlt seit drei jahren auf dem thron

Die kühle bilanz: kanada fehlt seit drei jahren auf dem thron

Seit dem Finale-Krimi 2023 in Sankt Petersburg wartet kein kanadischer Puck auf Gold. Letzte Saison endeten die Maple Leafs im Viertelfinale gegen Dänemark – ein Debakel, das sich kein Verband mit 28 WM-Titeln leisten will. Gegen Schweden legte das Team von Chefcoach André Tourigny nun eine Art PowerPoint-Präsentation auf dem Eis ab: schnelles Transition-Play, aggressive Vorcheck-Formation, 58 % Puckbesitz. Die Taktikfuchs-Fibel für die Gruppenphase ist geschrieben.

Für Schweden bedeutet die Pleite vor allem eins: Der Knoten muss schneller platzen als 2024. Im Vorjahr starteten die Tre Kronor ebenfalls mit einer Auftakt-Niederlage – und schieden bereits in der Runde der letzten Acht aus. Trainer Sam Hallam betonte nach dem Schlusssiren: „Wir haben gesehen, wie schnell Kanada die Fehler bestraft. Unsere Special Teams waren okay, aber eben nur okay.“ Die Worte klangen wie eine Hausaufgaben-Liste für die Partien gegen Lettland und Slowakei.

Die Zahlen sprechen für sich: Kanada traf viermal im Powerplay, ließ nur ein einziges Überzahl-Gegentor zu und feuerte 38 Schüsse auf Filip Gustavsson. Die Trefferquote im dritten Drittel lag bei 40 % – ein Wert, den selbst die NHL nicht täglich liefert. Und wer jetzt denkt, das sei alles Show, irrt: Die letzten fünf Kanada-Siege bei Weltmeisterschaften gegen Schweden gingen alle über 60 Minuten, keiner war ein Spaziergang. Die Rivalität lebt, sie wird nur gerade von kanadischen Schlittschuhen neu programmiert.

Die Botschaft ist klar: Wer den Pokal holen will, muss an diesem Turnier zuerst an Kanada vorbei. Und diese Kanada-Version scheint bereit, den eigenen Anspruch wieder mit Metall zu vergolden.