Kanada patzt im wm-generalprobe – toronto stadium erlebt 2:2-rollercoaster
26.328 Zuschauer sahen, wie der Co-Gastgeber seiner eigenen Party beinahe vorzeitig den Stecker zog. Kanadas 2:2 gegen Island im frisch sanierten BMO Field war kein harmloser Test – es war ein Vorgeschmack auf die Nervosität, die am 12. Juni bei der WM-Eröffnung dieses Stadions herrschen wird.
Davies fehlte, david rettete – und buchanan flog
Ohne Alphonso Davies (Oberschenkelprobleme) wirkte die kanadische Startelf im ersten Durchgang wie entkernt. Orri Oskarsson nutzte zwei Standardfehler zur frühen 2:0-Führung – ein Debakel, das Trainer Jesse Marsch mit hochrotem Kopf zur Seitenlinie hetzte. Die Analyse war simpel: Wer vor eigenem Publikum den ersten Schritt verpasst, tritt bei seiner Weltmeisterschaft auf der Stelle.
Doch die Pausenansprache funktionierte. Jonathan David verwandelte zwei Elfmeter innerhalb von acht Minuten, beide nach VAR-Reviews wegen Handspiels und Trikettreten. Der Ausgleich schaukelte sich, das Stadion bebte – bis Tajon Buchanan mit einer Grätsche über den Ball hinaus in die Knöchel des Isländers Ingason flog. Platzverweis, 80. Minute, Momentum gebremst. Die Schlussoffensive blieb aus.

Das kleinste wm-stadion wartet mit großem druck auf
Mit 45.000 Plätzen – 17.000 davon temporäre Tribünen, die nach dem Turnier wieder abgebaut werden – ist das BMO Field das kompakteste der 16 WM-Arenen. Genau das macht die Atmosphäre so laut, dass Isländers Coach Åge Hareide nach Abpfiff pfiff: „Wenn hier Vollbesuch herrscht, wird selbst ein Freistoß wie ein Thunderbird klingen.“
Kanada trifft in Gruppe B auf Italien oder Bosnien-Herzegowina, Katar und die Schweiz. Die beiden letzteren Partien ziehen nach Vancouver – für Toronto bleibt das Eröffnungsspiel das einzige Heimspiel. Die Marsch-Truppe hat also exakt 75 Minuten gezeigt, dass sie ohne ihren Superstar Davies kurzfristig umschalten kann. Die restlichen 15 Minuten erinnerten daran, warum islands Coach nach dem Schlusspfiff trotz des Remis breit grinste: Wer in der 80. Minute in Unterzahl ruckelt, verschenkt WM-Traumtore.
Die Zahlen sind hart: Kanada blieb in fünf der letzten sieben Tests ohne Sieg. Das letzte Aufeinandertreffen mit Italien endete 2016 mit 1:1 – doch damals spielte Davies noch U-17-Fußball. Die Uhr tickt, drei Monate sind schneller vorbei als ein Konter über die linke Seite. Wer am 12. Juni im BMO Field patzt, der kann nicht einfach umdrehen und sagen: „Wir bauen um.“ Dann steht das kleinste Stadion der WM unter der größten Glocke – und Kanada muss liefern, sonst wird der Hauch von WM-Flair zur eiskalen Brise eines frühen Ausscheidens.
