Ecdc memmingen schreibt fraueneishockey-geschichte: 7. titel in rekordzeit

Memmingen war um 20:33 Uhr in Ekstase. Nach gerade einmal 154 Minuten Spielzeit stand der siebte Stern für die ECDC-Frauen fest. Die Eisbären Berlin kassierten im dritten Endspiel die dritte Niederlage, die Halle am Hühnerberg explodierte, und Daria Gleißner hob den Pokel wie selbstverständlich in die Luft – als gäbe es nichts Leichteres, als Geschichte zu schreiben.

Die Zahlen sind schon jetzt absurd: 13 Tore in drei Spielen, kein einziger Gegentreffer in Unterzahl, 2679 Fans, die jeden Schlagschuss mitbekamen. Theresa Knutson traf doppelt, Nara Elia eröffnete den Abend, Jule Schiefer nagelte den Deckel in der 40. Minute drauf. Berlin hatte zwischenzeitlich auf 2:2 herangekämpft, doch Memmingen antwortete mit einem Doppelschlag innerhalb von 18 Spielminuten. Die Eisbären-Trainerin nahm die Time-out-Glocke schon fast resignierend in die Hand.

Die maschine läuft und läuft

Seit zehn Jahren dominiert dieser Klub die DFEL, nur die ESG Planegg war einst ähnlich erfolgreich. Die Münchnerinnen zogen sich jedoch 2024 zurück, Memmingen rückt nun mit 7:8-Titeln im direkten Vergleich näher. Die Liga selbst schrumpft: Vier deutsche Teams plus HK Budapest, dazu ein Förderkontingent, das sich an der Zahl der Nationalspielerinnen orientiert. Kein Wunder, dass der ECDC die Kaderplanung wie eine Schweizer Uhr betreibt.

Was die Leistung heute noch brutaler macht: Berlin war keine Außenseiter-Mannschaft. Die Eisbären hatten die Hauptrunde auf Platz zwei beendet, hinten nur Memmingen. Sie hatten die beste Powerplay-Quote, die meisten Torschüsse, die tiefste Rotation. Und trotzdem sahen sie drei Mal in Folge dasselbe Bild: ein überrollendes Mitteldrittel, eine verschlossene Abwehrbox, ein Torhüterinnen-Duo, das selbst Abpraller wegzufischte wie Müll.

Die Spielerinnen selbst wirkten fast ein wenig gelangweilt von der eigenen Effizienz. „Wir wollten es schnell machen“, sagte Knutson im Mixed-Zone-Sprint. „Drei Spiele, drei Siege – mehr gibt’s nicht zu sagen.“ Gleissner pflichtete bei: „Wir haben einen Standard, und der heißt: Titel.“

Ein stern fehlt noch zum rekord

Ein stern fehlt noch zum rekord

Die Planegg-Statue steht im Vereinsmuseum wie ein Spiegel. Acht Meisterschaften zwischen 2012 und 2022, danach Selbstaufgabe. Memmingen könnte 2027 gleichziehen, sollte die Liga weiterexistieren. Denn neben dem sportlichen Wahnsinn schwingt ein leiser Hilferuf mit: Ohne neue Investoren, ohne Nachwuchsakademien, ohne Medienverträge droht die DFEL zur Dauer-Testserie zu verkommen.

Doch heute Nacht zählt nur die Sirene, die nach 60 Minuten ertönte, und das Kollektiv, das sich auf dem Eis in einen einzigen, schwarz-roten Knoten verwandelte. Die siebte Meisterschaft ist kein Endpunkt, sondern eine Ansage. Wer nächstes Jahr kommt, muss an Memmingen vorbei – und das ist, bei aller Liebe zur Konkurrenz, eine eiskalte Bestie.