Kamberi darf wieder ran – der fcz zieht den kopf aus der schlinge
Lindrit Kamberi spielt am Samstag. Punkt. Die Drei-Spiele-Sperre nach seinem Notbremse-Rot gegen die Young Boys ist vorläufig auf Eis gelegt, weil der FCZ blitzschnell Einspruch einlegte. Die Disziplinarkommission muss nun neu verhandeln – bis dahon gilt: Unschuldsvermutung.

Warum der club jetzt erst recht attackiert
Die Zürcher Defensive wackelt. Sechs Gegentore in den letzten drei Partien, ein Neuzusammengewürfeltes aus sechs Neuen in der Startelf. Trainer Bo Henriksben braucht Kamberis Robustheit gegen Sions Tempodribbler, sonst rutscht der FCZ erstmals seit 2012 unter die Strichliste der Abstiegsplätze. Die Statistik: Ohne den 24-Jährigen kassierte der Club 2,4 Tore pro Spiel – mit ihm nur 1,1.
Intern herrscht trotzdem Vorsicht. Kamberis Tritt an Bremer war laut Videoanalyse 0,8 Sekunden zu spät, die Kategorie „Gefährdung körperlicher Unversehrtheit“ steht unangefochten. Rechtsanwalt Philipp Gröblinger fischt nun im 48-seitigen Gutachten nach Präzedenzfällen: 2018 wurde St. Gallens Silvan Widmer nach ähnlichem Foul nur auf zwei Spate reduziert, weil der Gegner ausweichen konnte.
Die Signale aus dem Nachtrag sind gemischt. Schiedsrichter-Chef Pascal Erlachner bestätigt, dass der TV-Beitrag „keine eindeutige Täterperspektive“ liefert – ein Hoffnungsschimmer. Doch Sektionschef René Dizerens mahnt: „Wir werden Leiblinien nicht verwässern, nur weil ein Verein personell kurz sitzt.“
Samstag, 20.30 Uhr, Letzigrund. Kamberi wird auflaufen, voraussichtlich mit Kapitänsbinde, weint Luca Zuffi aus. Die Fans skandieren „Lindi, Lindi“, während die Jury tickt. Fällt das Urteil danach, fehlt er auch im Cup-Viertelfinale gegen Thun – ein Schicksalsspiel für die sportliche Leitung. Die Summe: Entweder der FCZ schlägt sich drei Wochen ohne seinen Abwehrchef oder das ganze Saisonziel droht zu kippen. Die Uhr läuft, der Ball ist rund, und die Palette an Emotionen reicht von Genugtuung bis blanker Panik.
