Juventus verpasst eigenen torwart-talent – jetzt glänzt er bei lazio

Die Juventus-Führung schaut nach Rom und kriegt Bauchschmerzen. Edoardo Motta, 19, den die Alte Dame mit elf entdeckte und mit 16 schon wieder weggab, hütet seit Wochen erfolgreich das Tor der Lazio – weil Stammkeeper Provedel ausfiel. Die Kurve jubelt, der Markt plant: Mottas Wert ist seit Januar vervielfacht, die Juve kassierte damals nur eine kleine Weiterverkaufsbeteiligung.

Ein lehrstück in sachen geduld

Der Weg war typisch für einen Spieler, den keiner so richtig zuordnen konnte. Nach fünf Jahren in den Jugendteams von Turin wechselte Motta leihweise zu Alessandria, dann zu Monza, schließlich fest zu Reggiana. In Emilia stand er zwar im Kader der Profis, doch ein Einsatz blieb aus. Die Lazio zog im Winter den Stecker, zahlte rund eine Million Euro – und räumte gleich die Perspektive ein, denn zweiter Hintermann Mandas war ohnehin verletzt.

Als Provedel im März umdrehte, war die Bühne frei. Motta blieb kühl, fing Punkte, kassierte Lob. Nationaltrainer Paolo Nicolato nominierte ihn prompt für die U21, die A-Nationalmannlung ist längst kein Tabu mehr. Zwischenzeitlich sprach der Klub von einem „Investment mit Rendite“, weil das Talent aktuell vier Mal so viel wert ist wie vor drei Monaten.

Torwart-dilemma in turin

Torwart-dilemma in turin

Während Motta in Rom Fahrt aufnimmt, rätselt Juventus, wer nächste Saison überhaupt im Kasten steht. Perin will spielen, Di Gregorio soll kommen, aber beide Wege sind offen. Die sportliche Leitung sucht eine verlässliche Lösung, muss dabei aber auch die Listenplätze für die Serie A beachten. Ein eigenes Talent wie Motta wäre da praktisch gewesen – günstig, homegrown, hungrig.

Stattdessen flattert nun die Rechnung. Die prozentuale Beteiligung an einem möglichen Weiterverkauf sichert der Juve nur ein paar hunderttausend, wenn Lazio den jungen Keeper für acht oder zehn Millionen weiterveräußert. Für die Buchhalter ein Tropfen, für die Scout-Abteilung ein Sinnbild: Wer zu früh zieht, verliert am Ende.

Die Kurve in Turin mag sich erinnern: Als Buffon damals zwischen den Pfosten stand, war er auch 19. Der Unterschied: Die Bosse warteten, bis er reif war. Bei Motta war die Uhr schon nach fünf Jahren abgelaufen – und tickt jetzt für jemand anderen.