Juve ohne echten stürmer: spallettis experimente scheitern an david und openda

Mit einem Schlag wurde die Notlösung zur Normalität. In Udine standen wieder Kean, McKennie und Koopmeinersnacheinander zwischen den zentralen Innenverteidigern der Udinese, während Jonathan David und Loïs Openda auf der Bank vergammelten. Warum? Weil Luciano Spalletti längst zu dem Schluss gekommen ist, dass seine beiden teuren Sommerzugänge nicht liefern, was ihr Preisschild verspricht.

Die Zahlen sind gnadenlos: vier Minuten Spielzeit für David in den letzten drei Liga-Partien, null Minuten für Openda seit dem 1:1 gegen Bologna. Stattdessen probiert der Trainer wild durch: Yildiz als falsche Neun, Boga als „Nine-and-a-Half“, sogar Conceiçao als vorgeschobener Sturmriegel. Die Taktik-Folter wirkt improvisiert, aber effektiv – zumindest solange Vlahovic noch nicht wieder läuft.

Milik ist zurück, aber noch kein allheilmittel

Der Pole stand erstmals wieder im Kader, kam aber nur zu Kurzeinsätzen. Seine Knieprobleme sind zwar überwunden, die Spritzigkeit fehlt. Im Training lief er gestern erstmals wieder Sprintstafetten ohne Sichtschutz, doch Spalletti will ihn nicht überstürzt einsetzen. „Er braucht noch zwei Wochen, um 90 Minuten zu geben“, sagte der Coach nach Schlusspfiff. Bis dahin bleibt das Sturmroulette.

Der nächste Versuch folgt bereits am Sonntag gegen Sassuolo. Dort wird Spalletti erneut eine falsche Neun aufbieten – wahrscheinlich wieder Yildiz, weil der 19-Jährige zumindest dribbeln kann, auch wenn ihn die körperlichen Duellen mit zentralen Abwehrriesen wie Bijol und Perez zuletzt verschluckten. Die Alternative wäre ein 4-4-2 mit Kean und Conceiçao, doch das würde die ohnehin brüchige Mittelfeld-Pressing-Struktur weiter schwächen.

David und openda zwischen den stühlen

David und openda zwischen den stühlen

Der Kern des Problems: Weder David noch Openda passen in das Flex-System Spallettis. David gilt intern als „10 mit Torinstinkt“, soll aber gleichzeitig als Anspielstation im Strafraum fungieren. Openda wiederum lebt von Räume schluckender Tiefe – doch genau diese Räume bieten tiefstehende Gegner wie Udinese nicht. Ergebnis: Beide wirken überflüssig, obwohl ihre Marktwerte zusammen 90 Millionen Euro betragen.

Die Kabine beobachtet das Szenario mit wachsendem Unbehagen. Eine anonyme Quelle aus dem Trainerstab verrät: „Spalletti nennt es ‚evolutive Anpassung‘, aber für David und Openda fühlt es sich an wie ein Beförderungsstopp.“ Derweil schiebt sich Milinkovic-Savic immer weiter nach vorne, nutzt seine Körpergröße im Box. Auch er ist keine echte Neun – aber zumindest eine, die funktioniert.

Bis Vlahovic wieder da ist, bleibt Spalletti auf seinem Sturm-Karussell gefangen. Die Fans in Turin fragen sich längst nicht mehr, wer spielt, sondern: Wer passt überhaupt noch? Die Antwort lautet: momentan nur jene, die bereit sind, ihre Position zu opfern. David und Openda haben diese Bereitschaft bisher nicht signalisiert – und rutschen daher immer tiefer in die Bedeutungslosigkeit. Die Uhr tickt. Mit jedem verlorenen Tag sinkt ihr Wiederverkaufswert – und Spalletti verliert ein Stück weg seiner Zukunftsplanung.