Junge eishockeyspieler in der national league: wer setzt wirklich auf die talente?
Die Diskussion um den Einsatz junger Spieler in der National League brodelt weiter. Während einige Klubs auf die Jugend setzen und ihren Nachwuchs fördern, scheinen andere die Talente kaum in die Pflicht zu nehmen. Eine Analyse der letzten fünf Spielzeiten offenbart deutliche Unterschiede – und wirft Fragen nach der langfristigen Entwicklung des Schweizer Eishockeys auf.
Die bilanz: ehc biel führt das feld an
Pascal Müller vom EHC Biel – ein Name, der in den letzten Jahren immer wieder genannt wurde, wenn es um junge Talente in der National League ging. Er ist ein Beispiel dafür, dass es funktioniert. Aber wie sieht es im Gesamtbild aus? Eine Untersuchung der durchschnittlichen Eiszeit von U-20-Spielern pro Saison zeigt ein überraschendes Bild. Der EHC Biel führt die Liste mit einer durchschnittlichen Eiszeit von 602:32 Minuten an. Das bedeutet, dass die jungen Spieler in Biel regelmäßig zum Einsatz kommen und eine wichtige Rolle im Team spielen.
Doch es gibt auch Schattenseiten. Der HC Lugano beispielsweise liegt mit nur 24:02 Minuten am Ende der Tabelle. Cyrill Henry, ein 18-jähriger Spieler, sorgte in dieser Saison für etwas Hoffnung mit 18 Einsätzen, aber insgesamt wird bei den Bianconeri wenig auf U-20-Spieler gesetzt. Dies könnte mit dem eigenen Farmteam, den Bellinzona Snakes, zusammenhängen, die eine Alternative für junge Spieler darstellen.
Auch der SC Rapperswil-Jona Lakers hinkt mit 26:03 Minuten hinterher. Zwar werden in St. Gallen oft ältere Spieler integriert, aber die ganz jungen Talente haben es schwer. Der HC Ajoie setzt ebenfalls selten auf U-20-Spieler, was vor allem an der fehlenden Nachwuchsinfrastruktur im Verein liegt.

Von ambri-piotta bis zum ev zug: ein breites spektrum
Zwischen diesen Extremen gibt es eine breite Spanne. Ambri-Piotta profitiert noch von einer starken Saison 2023/24, während Genève-Servette HC zwar in dieser Saison häufiger auf U-20-Spieler setzte, aber der Fokus lag hauptsächlich auf Simas Ignatavicius. Der Lausanne HC und der HC Fribourg-Gottéron zeigen einen klaren Trend zur verstärkten Nutzung junger Spieler, was sich auch in den Playoff-Ergebnissen widerspiegelt.
Die ZSC Lions setzen primär auf die GCK Lions für ihre Nachwuchsspieler, während die SCL Tigers durch den neuen Campus regelmässig junge Spieler in die erste Mannschaft integrieren. Der HC Davos setzt kontinuierlich auf Beni Waidacher, während der SC Bern in der Vergangenheit für seine Nachwuchsarbeit kritisiert wurde, obwohl sich die Situation in dieser Saison verbessert hat.
Der EV Zug schliesst das Feld mit 764:51 Minuten Eiszeit ab und demonstriert damit, dass die Integration junger Spieler in die erste Mannschaft weiterhin Priorität hat. Gian Menzi und andere junge Spieler erhalten regelmäßig Einsatzzeit und tragen so zum Erfolg des Teams bei.
Die Konsequenz ist klar: Die Klubs, die auf junge Talente setzen, haben langfristig bessere Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft im Schweizer Eishockey. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache – und zeigen, dass die Förderung der Jugend nicht nur eine Frage der Moral, sondern auch eine Frage des sportlichen Erfolgs ist.
