Jozo stanic: gelbe karten statt gala – wie st.gallens abräumer die liga erschüttert

Jozo Stanic ist der Schrecken der Stürmer und das Idol der Ostschweiz. 84 Pflichtspiele, neun Gelbe Karten, kein einziges Rot – und trotzdem fürchtet sich die SuperLeague vor ihm.

„Ich spiele mit dem herz“ – die philosophie des mörders

Im Kybunpark zischen die Pässe nur so durch die Lüfte, doch wenn Stanic sich in Bewegung setzt, bleibt die Luft stehen. Der 26-jährige Kroate rast nicht – er explodiert. „Es ist einfach meine Art“, sagt er mit dem Tonfall eines Mannes, der weiß, dass er Recht hat. „Ich komme über die Mentalität, über den Zweikampf.“ Kein Blabla, kein Tiki-Taka, nur reine Wucht.

Sein Transfer aus Augsburg im September 2023 war kein Schnäppchen, sondern eine Kampfansage. Die Espen wollten keinen Balljongleur, sie wollten jemanden, der Angst verbreitet. Stanic liefert. In jedem Spiel wirft er sich in Schienbein, Seele und Egos der Gegner. Die neun Gelben Karten? „Beweis, dass ich lebe“, sagt er und grinst wie ein Boxer, der gerade die Zähne geputzt hat.

Boxen, biss und bälle – was stanic neben dem rasen antreibt

Boxen, biss und bälle – was stanic neben dem rasen antreibt

Zweimal die Woche verschwindet er nach dem Training im Stadion und taucht in einem muffeligen Boxkeller auf. Dampfende Seile, schwitzende Handschuhe, kein Glamour. „Du lernst, Schläge zu nehmen und trotzdem weiterzumachen“, erklärt er. Die Kombination aus Zirkeltraining und Koordination schärft seine Reflexe – und seine Ellbogen. Die Gegner spüren das. St.Gallens Abwehr ist seit seinem Amtsantritt die zweitstärkste der Liga.

Die Fans lieben ihn nicht trotz seiner Härte, sondern wegen ihr. In einer Zeit, in der Spieler wie Influencer wirken, ist Stanic ein Relikt aus einer Zeit, in der Tacklings noch Knochen klappern ließen. Keine TikTok-Tänze, keine Brand-Deals – nur ein Mann, der seine Schienbeinschoner als Trophäen mit nach Hause nimmt.

Die Saison ist noch lang, aber schon jetzt ist klar: Ohne Stanic wäre St.Gallen nur ein mittelmäßiges Team mit schönen Trikots. Mit ihm ist es eine kleine Armee, die jeden Gegner in die Zange nimmt. Die Liga mag ihn nicht. Die Liga braucht ihn. Und solange er aufläuft, bleibt das Kybunpark ein Ort, wo Stürmer schon mal den Ball lieber ins Aus schlagen – nur um nicht mit ihm zu kollidieren.