Jordan anthony rast zum 60-meter-gold – thompson bleibt der ewige zweite

6,41 Sekunden reichen. Jordan Anthony schlägt mit der Jahresweltbestzeit zu, Kishane Thompson sprintet erneut in die Silberzone. Torun wird zum Déjà-vu für den Jamaikaner.

Thompson sammelt silber statt gold

Die Anzeigetafel zeigt 6,45 Sekunden – neue Bestmarke über 60 Meter, aber wieder nur Platz zwei. Thompson reißt die Arme nach oben, dann sinkt der Kopf. Dreimal stand er seit 2024 bei globalen Finals auf dem Podest, dreimal klafft oben eine Lücke. Die 0,004 Sekunden Rückstand auf Anthony mögen mikroskopisch klingen, sie brennen wie ein Brandloch in seinem Palmares.

Für den 24-Jährigen ist die Hallen-Weltmeisterschaft ein Experiment gewesen. Erst 2026 wagte er sich auf die Kurzdistanz, weil Gold von Paris und Tokio fehlt. Drei Indoor-Rennen vor Torun, Bestzeit auf 6,46 Sekunden – alles schien Richtung Titel zu laufen. Dann das Halbfinale: Trayvon Bromell provoziert mit Blickkontakt, Thompson verpasst den Start, muss neben Bromell ins Ziel schauen. Die Warnung war deutlich, doch im Endlauf wiederholte sich das Muster: Anthony startet besser, Thompson kommt stark, aber zu spät.

Anthony profitiert vom lyles-kosmos

Anthony profitiert vom lyles-kosmos

Der US-Jungstar trainiert mit Noah Lyles und Gina Lückenkemper, holt sich Anlehnung an deren Starttechnik. Sein 6,41-Sekunden-Lauf ist keine Eintagsfliege, sondern Ausdruck eines Systems, das Sprinter auf 100 und 60 Meter gleichermaßen schult. Während Thompson seine Oberkörper-Spannung in den ersten fünf Metern verliert, bleibt Anthony kompakt, beschleunigt gradlinig. Die US-Staffel droht, die Sprint-Hegemonie auch über Kurzdistanzen zu übernehmen.

Bronze geht an Bromell (6,46), der Brite Jeremiah Azu verpasst mit derselben Zeit die Medaille um eine Tausendstel. Die englische Frage bleibt offen: Wer stoppt die US-Maschinerie? Für Thompson heißt es ab jetzt: Wechsel auf 100 Meter, Outdoor-Saison, nächster Versuch. Die Uhr tickt, der Druck wächst.

Die Bilanz nach drei WM-Starts: drei Silber, kein Gold. Sport ist hart, Statistik gnadenlos. Thompson muss nun beweisen, dass er nicht der ewige Vizeweltmeister bleibt, sondern der Champ, der die Ziel-Photos endlich für sich entscheidet.