Japan jagt brasilien – ancelotti wollte lieber schweden

Carlo Ancelotti hätte es einfacher gehabt. Doch statt eines lockeren Testspiels gegen Schweden wartet jetzt Japan – und das Team von Trainer Moriyasu hat im NRG Stadium von Houston den Ruf, Großklubs zu Fall zu bringen.

Ancelotti wollte sich die beine schonen

Die Anfrage aus der Kabine lautete: Schweden oder Island, irgendwas mit überschaubarem Lauf- und Pressing-Aufwand. Stattdessen landet der Staff am Dienstagabend in Texas und findet eine japanische Mannschaft vor, die in den letzten beiden Weltmeisterschaften Spanien rausgeworfen, Deutschland blamiert und die Niederlande an die Wand gespielt hat. „Sie geben dir keine Sekunde Luft“, sagt Ancelotti nach dem Abschlusstraining, „sie laufen, bis die Schuhe qualmen.“

Die Zahlen untermauern die Warnung. Seit der WM 2022 erzielt Japan im Schnitt 1,9 Tore pro Spiel gegen Teams aus der UEFA-Top-Ten. Die Laufleistung: 118 Kilometer im Turnierdurchschnitt. Keine europäische Nation schaffte mehr.

Ueda – der stürmer, den ancelotti kennt

Ueda – der stürmer, den ancelotti kennt

Der Trainer blickt besorgt auf Ayase Ueda. Der 25-Jährige traf beim 4:1 gegen Deutschland und bereitete das späte 2:1 gegen Spanien vor. Ancelotti studierte ihn bereits im Video, als Cercle Brügge ihn scoutete. „Er schießt aus jedem Winkel, als hätte er GPS im Fuß“, beschreibt der Coach die Bewegungsintelligenz des Angreifers.

Die Frage ist nur: Spielt Japan mit Ueda als echter Neun oder setzt Moriyasu erneut auf das 4-2-3-1 mit Kamada als falsche Spitze? Die Antwort bekommt der italienische Staff erst 45 Minuten vor Anpfiff – ein Taktikpoker, der Ancelottis Co-Trainer Davide irritiert.

K.o. 2025 – das gespenst von doha

Für Ancelotti ist die Partie mehr als ein Freundschaftsspiel. Der 5:2-K.o. der Azzurri im Juni 2025 durch Japan in Doha sitzt tief. Es war die erste Niederlage eines italienischen Teams gegen ein asiatisches Land seit 1966. „Ich will kein Déjà-vu“, sagt er und schickt sein Team in ein Pressing-Programm, das selbst die Fitnesstrainer an ihre Grenzen bringt.

Die Uhr tickt. In 72 Stunden steht das erste Gruppenspiel gegen Brasilien an. Ein Sieg gegen Japan wäre ein Statement. Eine Niederlage – ein Albtraft. Ancelotti blickt auf das Spielfeld, wo die japanischen Spieler schon wieder intervallaufen. Er seufzt: „Wir haben Schweden verpasst – und dafür ein Marathon-Monster bekommen.“