Janßen schämt sich öffentlich – sandhausen in der krise

Olaf Janßen trat vor die Mikrofone, als hätte er seinen eigenen Verein soeben abgeschossen. „Ich schäme mich, Cheftrainer dieser Mannschaft zu sein“, sagte der 59-Jährige nach dem 1:1 gegen Schlusslicht Bahlinger SC. Drei Spiele, kein Sieg, zwölf Gegentore – die Winterpause war für den SV Sandhausen nur eine Verschnaufpause vor dem nächsten Schlamassel.

Der Regionalliga-Südwest-Abstiegskandidat spielt seit Januar wie entfesselt – nur eben gegen sich selbst. Ballverluste, Laufduelle verloren, Chancen vergeben: Die Statistik liest sich wie ein Lehrbuch für Selbstzerfleischung. Janßens Wutrede war ein Hilfeschrei, kein Motivationsversuch. „Wer das Spiel gesehen hat, konnte den Eindruck bekommen, dass der Trainer acht Monate im Urlaub war“, schleuderte er ein, bevor er sich selbst in die Pflicht nahm.

Der pokal-knockout kam trotzdem

Vier Tage später folgte das nächste Debakel. Im badischen Pokal-Halbfinale schickte der Fünftligist VfR Mannheim Sandhausen nach 120 Minuten und Elfmeterschießen nach Hause. Die Moral-Keule zückte Janßen sofort: „Ich bin stolz auf meine Mannschaft.“ Es klang, als wolle er sich selbst überzeugen. Mit nur acht Feldspielern nach zwei Roten Karten kämpften die Kurpfälzer tapfer – doch Tapferkeit zählt in der Tabelle nicht.

Pascal Testroet, Kapitän und mit 22 Scorerpunkten letzte Konstante, muss nun zuschauen. Muskelverletzung, Ausfall offen. „Ich habe Lust, noch eine Saison dranzuhängen“, sagt der 35-Jährige, doch sein Körper liefert das Gegenteil. Ohne ihn verliert Sandhausen die letzte Referenzperson im Angriff. Maximilian Wagner fällt ebenfalls monatelang aus – Adduktoren, Saisonende.

Die balingen-rechnung ist offen

Die balingen-rechnung ist offen

Am Samstag geht’s nach Balingen. Dort wartet die TSG, gegen die Sandhausen im Hinspiel mit zehn Mann noch mit 1:2 unterlag. „Ich muss schauen, wie ich elf Krieger zusammenkriege“, sagt Janßen. Die Wahrheit klingt härter: Er braucht nicht nur Krieger, sondern eine neue Identität. Seit 2012 wechselten 13 Trainer am Hardtwald – das Problem ist nicht die Führung, sondern die Fluktuation selbst.

Präsident Jürgen Machmeier wird Janßen nicht feuern. Nicht aus Loyalität, sondern aus Einsicht: Noch ein Trainerwechsel wäre nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Frage ist nicht, ob Janßen die Mannschaft rettet, sondern ob die Mannschaft sich selbst rettet. Die Antwort liefert schon am Samstag der Rasen in Balingen – und die 90 Minuten, die über Schämen oder Stolz entscheiden.