Jankto packt aus: rom-liebe, tiktok-triaden und der tag, als dybala die stadt eroberte
Jakub Jankto ist nur drei Monate im Ruhestand und schon lauter als jemals zuvor. Der Tscheche, einst Mittelfeld-Versiegelung bei Sampdoria und Cagliari, ballert sich jetzt durch TikTok – und trifft dabei mitten ins Herz der Roma-Fans. „Erinnert ihr euch an Dybalas Präsentation? Das war Top. Rom steckt auch in meinem Herzen“, sagt er und lacht verschmitzt: „Hoffentlich regen sich die Laziali nicht auf.“
Der tag, als die olimpico bebte
Der 30-Jährige erzählt, wie er live im Stream jubelte, als Paulo Dybala im Juli 2022 unter lauter „Ciao Paulo“-Rufe die Piazza del Popolo in eine gelbrote Wand verwandelte. Jankto war kein Roma-Spieler, aber er fühlte sich sofort eingeladen. „Mit all den Tschechen, die durch Rom reisen, ist das keine Stadt – das ist ein Gefühl“, sagt er und meint damit die Exil-Community aus Prag, Brünn und Ostrava, die seit Jahren ihre Stammkneipen in Trastevere hat.
Die Videos, die er seit Wochen postet, sind keine harmlose Rückblicke. Jankto nennt Davide Nicola „taktisch überfordert“, beschreibt, wie Cagliari-Teamkollegen nach Pleiten lieber Instagram-Storys als Spielfilm schauten. Und er liefert Details, die sonst nur hinter verschlossenen Kabinentüren kursieren: „Wenn der Coach nach der 0:4-Pleite sagt ‚wir haben unseren Plan umgesetzt‘, weißt du, dass der Fahrplan falsch ist.“

Ruhestand als megafon
Sein vorzeitiger Abschied im Dezember war medizinisch empfohlen – zu viele Spritzen, zu viele Bänderrisse. Statt sich in Prags Kaffeehäuser zurückzuziehen, baut er sich ein zweites Standbein als Football-Streamer. 1,2 Millionen Views in fünf Tagen, Kommentare in Tschechisch, Italienisch, Englisch. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Jankto ist längst kein Ex-Profi mehr, er ist ein Influencer mit Erinnerungsautorität.
Dabei bleibt seine Rom-Liebe ein offenes Geheimnis. Er trägt kein Roma-Trikot, war nie bei einem Training, aber er kennt die Kurven der Curva Sud aus virtuellen Stadiontouren. „Wenn du in Trastevere einen Kaffee trinkst und nebenan zwei Rentner über Totti diskutieren, verstehst du, warum diese Stadt Fußball ist“, sagt er und klingt dabei fast wie ein Reiseblog, der zufällig 150 Serie-A-Spiele auf dem Buckel hat.
Die Konsequenz: Jankto liefert jede Woche neue Clips, neue Seitenhiebe, neue Enthüllungen. Die Roma-Fans jubeln, die Laziali pfeifen. Und mitten in diesem Sturm steht ein Spieler, der nie für die Roma auflief, aber deren Mythos mit jedem TikTok größer macht. Seine Karriere endete, seine Stimme wird erst laut – und Rom hört zu.
