Ivan kharchenkov schreibt march-madness-geschichte – deutscher titel 12 jahre danach greifbar nah

Die Arizona Wildcats drehten in San José auf wie ein Orkan, und in der Mitte des Sturms stand ein 19-jähriger Bayer: Ivan Kharchenkov. Mit 18 Punkten, acht Rebounds und einer zweiten Halbzeit, die Purdue 48:26 lehrte, schoss der ehemalige Nachwuchsstar von Bayern München seine Uni ins Final Four. Erstmals seit Niels Giffey 2014 könnte wieder ein deutscher Spieler NCAA-Champion werden.

Halbzeit-defizit war nur schau – wildcats entfesseln kharchenkov

Bei 30:38 schien der Favorit zu wackeln. Dann aber erinnerte Arizona-Coach Tommy Lloyd seine Mannschaft an eine einfache Weisheit: „Wir haben Koa Peat und wir haben Ivan – rausstellen und ziehen.“ Peat traf 20 Punkte, aber Kharchenkov lieferte die Energie, die Purdue die Rippen brach. Zweimal blocks, dreimal steals, immer in Bewegung. „Er spielt kein Freshmen-Jahr, er spielt ein Erwachsenen-Jahr“, sagte TV-Experte Jay Bilas live auf CBS.

Die Statistik lügt nicht: 7/11 Feldwürfe, 2/3 Dreier – und kein Ballverlust. Kharchenkov ist der erste Deutsche, der in seinem Debüt-Jahr ins Final Four trifft. Henrik Rödl schaffte das 1993 als Junior, Christian Ast gewann zweimal, aber ebenfalls erst im zweiten Jahr in Durham. Der letzte deutsche Titel liegt also tatsächlich zwölf Jahre zurück.

Indianapolis wartet – und mit ihm ein mögliches deutsches duell

Indianapolis wartet – und mit ihm ein mögliches deutsches duell

Vom 4. bis 6. April bestimmt der Lucas Oil Stadium den neuen College-König. Arizona trifft dort entweder auf Michigan mit Guard Malick Kordel – ebenfalls deutscher Pass – oder auf die athletischen Tennessee Volunteers. „Wenn wir uns gegen Malick stellen, ist das wie ein Heimspiel in Indianapolis für die deutschen Fans“, sagte Kharchenkov nach der Partie, „aber wir wollen alle kriegen.“

Das Statement klang selbstbewusst, nicht arrogant. Denn der Center weiß: Wildcats-Defense limitierte Purdue auf 35,6 % Feldwurfquote. Tennessee oder Michigan – sie werden sich dieselbe Hitze gefallen lassen müssen.

Der lange weg vom fc bayern zur march madness

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Wer Kharchenkov in der Jugend beobachtete, ahnte früh, dass er mehr wollte als Bundesliga-Minuten. In München spielte er mit Franz Wagner und Niels Giffey, trainierte gegen Paul Zipser und Andreas Obst. „Die Jungs erzählten mir vom Campus-Leben, von 15.000 Zuschauern an einem Dienstag“, sagte er im vergangenen Sommer. Statt Profi-Vertrag unterschrieb er in Tucson – und bekam genau diese Kulisse.

Seine Entwicklung ist linear: 8,5 Punkte in der Non-Confernce, 12,3 seit Februar, 18 im Elite Eight. NBA-Scouts schätzen seine 2,11-M-Größe mit Guard-Technik. Eine Lottery-Pick-Garantie gibt es noch nicht, aber ein Deep-Run im Turnier kann Kadermodelle über den Haufen werfen. Giffey schaffte den Sprung 2014, nachdem er Champion wurde – Kharchenkov kann dieselbe Kurve ziehen.

Clara bielefeld hält deutsche fahne auch bei den frauen hoch

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Während die Männer feiern, marschiert bei den Frauen Clara Bielefeld mit TCU weiter. Die Horned Frogs schalteten Virginia aus, selbst wenn die 18-jährige Point Guard noch keinen einzigen Turnier-Minutenanteil bekam. Für Bundestrainer Lisa Thomaidis ist sie trotzdem ein Kandidat für die Heim-WM in Berlin (4.-13. September). „Wenn du als Deutsche im Final Four bist, egal wie, rufst du Aufmerksamkeit hervor“, sagt Thomaidis. Ein Satz, der genauso gut auf Kharchenkov zutrifft.

Die zahl, die bleibt: 48 punkte nach dem seitenwechsel

Die zahl, die bleibt: 48 punkte nach dem seitenwechsel

Arizona erzielte in der zweiten Hälfte 48 Punkte – das meiste, was Purdue in einer Halbzeit in diesem Jahr kassierte. Die Wildcats verwandelten 64 % ihrer Zweipunktwürfe, holten 15 Offensiv-Rebounds und spielten fast vier Minuten am Stück ohne Fehler. „Wir haben sie buchstäblich zerlegt“, sagte Kharchenkov und lächelte dabei so gelassen, als wäre es ein Freiwurf im Training.

Nach dem Abpfiff suchte er die Kamera, sprach kurz Deutsch in den Mikrofon-Sockel: „Jetzt wollen wir den ganzen Weg.“ Es klang nicht nach Klischee, sondern nach einer Ankündigung. Indianapolis sollte sich warm anziehen – ein Bayer kommt und hat den nächsten Sturm im Gepäck.