Italiens wm-alptraum geht weiter: drama endet mit blamage gegen bosnien

Rom – 1:4. Die Zahlen brennen sich ins kollektive Gedächtnis des viermaligen Weltmeisters. Italien verpasst zum dritten Mal in Folge die WM-Endrunde – und diesmal liefert die Squadra Azzurra eine Vorstellung ab, die selbst eingefleischte Tifosi sprachlos macht. Elfmeterschießen, Unterzahl, 30 Schüsse für Bosnien, nur neun für Italien. Die Bilanz: ein historisches Debakel.

Die Partie in Palermo begann wie ein Déjà-vu. St.-Pauli-Keeper Nikola Vasilj, eigentlich Bosniens Rückhalt, schenkt Nicolò Barella den Ball – und Moise Kean nutzt das Geschenk eiskalt zur frühen Führung. Die italienische Führung hält 64 Minuten, dann trifft Semir Telalović per Kopf zum Ausgleich. In der Verlängerung wirft Luciano Spalletti alles nach vorne, doch die Angriffsbemühungen wirken planlos. Die einzige Konstante: Gianluigi Donnarumma, der mehrfach gegen die deutschen Legionäre Demirović (VfB Stuttgart) und Katić (Schalke) pariert.

Rote karte und der mentale kollaps

Rote karte und der mentale kollaps

Der Wendepunkt ist die Ampelkarte gegen Alessandro Bastoni (41.). Ab da spielt Italien in Unterzahl, verlässt sich auf Catenaccio-Bunker und wartet auf das Elfmeterglück – vergeblich. Cristante und Sebastiano Esposito schießen in die Wolken, alle bosnischen Schützen verwandeln souverän. Sergej Barbarez, heute Sportdirektor, feiert mit seinen Profis die zweite WM-Qualifikation der Geschichte. „Wir haben den Plan bis ins Detail umgesetzt“, sagt der frühere Bundesliga-Torjäger, „und wir haben unsere Chancen genutzt.“

Die Statistik ist gnadenlos: Italien wartet seit 2014 auf ein WM-Ticket. Das letzte Turnier 2010 endete mit dem Vorrunden-Aus – ein Schicksal, das sich nun wiederholen könnte, wenn der Fluch nicht endlich gebrochen wird. Die Zahlen sprechen für sich: drei Playoff-Pleiten in Serie, 2018 gegen Schweden, 2022 gegen Nordmazedonien, 2026 gegen Bosnien. Ein Nation, die einst für Defensive und Siegesmentalität stand, muss sich fragen, was aus der DNA des Weltmeisters geworden ist.

Spalletti nimmt die volle Verantwortung auf sich: „Ich habe das Team nicht mental auf diese Situation vorbereitet.“ Doch die Wahrheit ist komplexer. Junge Spieler wie Esposito erhalten vor 50.000 Fans die eigene Unsicherheit spürbar mit, während die Bosnier mit sechs Bundesliga-Profis kaltschnäuzig bleiben. Die italienische Fußball-Renaissance bleibt aus – und der nächste Generationenwechsel steht bevor, ohne dass ein Plan sichtbar wäre.

Die Konsequenzen sind jetzt schon spürbar: Sponsoren drücken auf die Bremse, Fernsehgelder sinken, der Ruf des FIGC ist ramponiert. Für die Tifosi bleibt nur der trostlose Blick auf die Tabelle, in der Bosnien als Qualifikant steht und Italien nur noch als Fußnote. Der Traum von der Rückkehr auf die Weltbühne ist für mindestens vier weitere Jahre begraben – und die Frage nach dem Warum wird lauter, je länger die Nacht in Palermo dauert.