Italiens top-klubs verstrickt: escort-ring soll serie-a-stars geliefert haben

Mailand zittert. Staatsanwältin Alessandra Dolci hat ein Netz aufgespürt, das für rund 70 Fußballprofis der Serie A „All-inclusive-Events“ mit Escort-Damen organisiert haben soll – und plötzlich stehen Milan, Inter, Juventus und Co. unter Dampf. Die beiden mutmaßlichen Kopfleute sitzen seit Tagen in Hausarrest, doch vor der Richterin weisen sie jede Schuld von sich: reine Eventagentur, keine Vermittlung von Prostitution.

Die zahlen, die die anklage stützen

Bei den Hausdurchsuchungen beschlagnahmte die Guardia di Finanza über 1,2 Millionen Euro Bargeld – offiziell „erwirtschaftet“ durch Pakete zwischen 5.000 und 20.000 Euro pro Nacht. Dabei war laut Anklage nicht nur Champagner und Luxussuiten enthalten, sondern auch Lachgas als „Zusatzservice“. Die Kommunikation lief über verschlüsselte Chats, in denen die Spieler lediglich mit Nachnamen und Trikotnummer auftauchen. Keiner ist formell Beschuldigter – trotzdem werten Ermittler jeden Kontakt als Indiz für organisierte Vermittlungsstrukturen.

Was die Verteidigung dagegenhält? Ein simpler Geschäftsplan: „Wir buchen Tische, DJs, Fotografen – mehr nicht“, sagte der 38-jährige Agenturchef gestern hinter verschlossenen Türen. Seine Lebensgefährtin ergänzte, man habe lediglich „Gästelisten“ verwaltet. Doch die Richterin ließ sich nicht beeindrucken: Sie ordnete weitere Telefonüberwachungen an, weil die Zeugenaussagen „lückenhaft“ seien.

Warum die klubs nervös werden

Warum die klubs nervös werden

Italiens Spielergewerkschaft AIC schaltete bereits ihre Anwälte ein. Grund: Sollte auch nur ein aktiver Profi offiziell als Kunde auftauchen, drohen Sponsorenausstiege und Imageverlust in Millionenhöhe. Interne Compliance-Richtlinien sehen bei strafrechtlichen Verdachtsmomenten sofortige Sperren vor. Kein Wunder, dass die betroffenen Vereine gestern Abend auf Anfragen kaum mehr antworteten außer mit Verweis auf „laufende interne Prüfungen“.

Ein Detail könnte für die Anklage entscheidend sein: Laut Protokoll soll die Agentur Ma.De. in Mailänder Clubs separate VIP-Zonen gemietet haben, in denen Kameras abgeschaltet wurden. „Wer nichts zu verbergen hat, macht keine Dunkelzonen“, kommentierte ein Ermittler trocken. Die nächste Verhandlung ist für September angesetzt – dann muss die Verteidigung Beweise liefern, dass es sich tatsächlich nur um harmlose Partys handelte.

Für die Serie A tickt eine zweite Uhr: Die Liga will Saisonstart Mitte August, doch sollte sich der Verdacht erhärten, droht ein Nachspiel mit unabsehbaren Konsequenzen. Die 70 Namen auf der Liste schlafen derzeit nicht besonders gut.