Italiens paralympics starten mit 42 athleten – verona erwartet mattarella

79 Titel, 56 Nationen, eine Arena voller Staunen: Die Paralympischen Winterspiele von Milano-Cortina beginnen heute Abend in Verona mit Staatspräsident Sergio Mattarella – und sie beginnen laut. Blindenskiährinnen, die mit 100 km/h ins Ziel donnern. Rollstuhlhockeyer, die sich auf dem Eis mit Eiskufen statt Rädern duellieren. Snowboarder mit Prothesen, die im Halfpipe Flips drehen, als hätten sie nie etwas anderes gemacht.

Die italienische Delegation schickt mit 42 Athleten die größte Truppe ihrer Geschichte ins Rennen. 37 Männer, fünf Frauen, zwölf Debütanten. Drei Skiführer stehen bereit, um Sehbehinderte durch Slalom und Abfahrt zu lotsen. Die Wettkämpfe verteilen sich auf drei Regionen: Para-Eishockey in Mailand, Alpine Disziplinen und Curling in Cortina, Biathlon sowie Langlauf in Tesero im Fassatal.

Die Zahlen sind hart, die Geschichten dahinter weich. Emanuel Perathoner zum Beispiel. Schon zweimal fuhr er zu Olympischen Spielen, dann ein Unfall, ein künstliches Kniegelenk – und jetzt ist er Favorit im Snowboard-Cross. Giuseppe Romele wiederum wechselt vom Sommer-Triathlon auf Langlauf-Ski, weil er Medaillen satteln will. Giacomo Bertagnolli, Italiens Star der Sehbehinderten, jagt mit Führer Andrea Ravelli Gold im Slalom. Der Präsident des Paralympischen Komitees, Marco Giunio De Sanctis, wagt den Vergleich: „Wir können die sieben Medaillen von Peking einstellen oder sogar toppen.“

Verona wird zur bühne der superlative

Die Arena di Verona verwandelt sich in eine 20.000 Menschen fassende Kulisse. Draußen pfeift der Märzwind, drinnen flackert die Flamme. Für die Eröffnungsfeier sind 16.000 Tickets weg, allein für das Eröffnungsspiel der italienischen Para-Eishockey-Nationalmannschaft gegen Olympia-Gastgeber USA. Die deutsche Mannschaft wird fehlen – sie gesellt sich zu sieben weiteren Nationen, die die Zeremonie boykottieren. Der Grund: die Rückkehr russischer und belarussischer Athleten unter neutraler Flagge. Die politische Brisanz bleibt, das Sportprogramm läuft trotzdem.

Die Organisatoren rechnen mit 655 Athleten aus 56 Ländern. Das ist mehr als dreimal so viel wie bei den ersten Winter-Paralympics 1976 in Örnsköldsvik. Damals waren es 198 Sportler aus 16 Staaten. Heute zählt jeder Startplatz. In den 79 Entscheidungen geht es um 39 Männer-, 35 Frauen- und fünf Mixed-Bewerbe. Die Kategorien sind klar: Standing, Sitting, Visually Impaired. Die Geschwindigkeit ist es nicht. Die ist pure Emotion.

Italiens geheimwaffe heißt publikum

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Die Athleten trainieren seit Monaten in Hochlagen, doch der Vorteil der Heimspiele liegt nicht in der Höhenluft, sondern im Lärm. In Cortina werden die Zuschauer an den Hang stapfen, um Bertagnolllis Slalom-Kurven zu erleben. In Tesero wird das Fassatal klingen, wenn Romele auf der Loipe angreift. Und in Mailand werden 16.000 Menschen in der Arena sitzen, um Para-Hockey zu sehen – ein Sport, den viele vorher nur vom Hörensagen kannten.

Die Paralympics sind kein Nachklapp mehr. Sie sind das Hauptprogramm. 50 Jahre nach Örnsköldsvik, 20 Jahre nach Turin. Die Technik ist besser, die Prothesen leichter, die Sledges schneller. Aber das Herz bleibt dasselbe. Es schlägt für jeden, der sich nicht unterkriegen lässt. Für jeden, der trotzdem startet. Und für jeden, der dabei zusieht. Die Flamme brennt, die Bühne steht. Um 20 Urt geht’s los – und Italien wird laut werden.