Italiens fußball sucht einen retter: albertini, maldini & co. im machtpoker
Rom rüstet sich
für den größten Umbruch seit 2014. Morgen treffen sich die 20 Serie-A-Clubs in der Lega-Assemblea, um den Kurs zu bestimmen – und plötzlich stehen Demetrio Albertini und Damiano Tommasi wieder auf der Matte. Die Spieler- und Trainerverbände wollen keinen Papiertiger mehr, sondern einen ihrer eigenen Leute an der Spitze des italienischen Fußballverbands.Die alten helden sollen nicht nur glanzlichter sein
Die Liste der angeflirtten Legenden liest sich wie ein Who-is-Who der Nazionale: Alessandro Del Piero, Paolo Maldini, Roberto Baggio, Gianluigi Buffon. Doch die vergangenen Tage haben gezeigt: Keiner von ihnen will zum Schaulaufen verdonnert werden. Maldini hat als Sportdirektor des AC Milan gerade erst die Meisterschaft gefeiert – er würde sich nie mit einem Posten abspeisen lassen, bei dem er nur das offizielle Schleifband durchschneidet. Del Piero, jahrelang in Los Angeles abseits des italienischen Flickenteppichs, verlangt klare Kompetenzen, sonst bleibt er bei Sky im Studio.
Buffon wiederum hat den Posten als Delegierter der A-Nationalmannschaft gerade freiwillig aufgegeben. Ein Comeback? Nur, wenn er wirklich Einfluss erhält und nicht nur die Visitenkarte ziert. Die Spielergewerkschaft AIC und die Trainervereinigung AIAC wissen: Wer einen Weltmeister ins Boot holt, muss ihm auch das Steuerrad geben.

Die serie a will das zepter übernehmen
Der Klubzirkel besitzt 18 Prozent der Stimmen, reicht aber für eine Wahl allein nicht aus. Deshalb testet Präsident Ezio Simonelli seit Tagen die Stimmung in den Vorstandsetagen. Hinter den Kulissen strebt Giovanni Malagò, frisch ernannter Chef der olympischen Winterspiele 2026, die Nachfolge von Gabriele Gravina an. Doch der frühere CONI-Chef ist Politikern wie Sportminister Andrea Abodi ein Dorn im Auge. Die Regierung fürchtet, Malagò könnte den Verband zu sehr an den Staat koppeln.
Fallstrick: Die Amateurliga hält 34 Prozent der Stimmen. Ihr Präsident Giancarlo Abete – bereits 2014 nach dem WM-Desaster zurückgetreten – gilt als möglicher Kompromisskandidat der Politik. Ein Déjà-vu, das viele Verbandsfunktionäre verhindern wollen.

Termine, zahlen, risiken
Bis zum 13. Mai müssen offizielle Kandidaturen eingereicht werden, gewählt wird am 22. Juni. Wer nicht mindestens 51 Prozent der Stimmen erhält, scheitert. Droht nach drei Wahlgängen immer noch Patt, übernimmt eine Staatskommission – für den italienischen Fußball das Ultima ratio und ein Imageschaden, den sich Liga, Amateure und Profis gleichermaßen ersparen wollen.
Die nächsten 48 Stunden entscheiden, ob Albertinis zweiter Anlauf nach 2014 ernst wird, ob Tommasi seine politische Erfahrung als Verona-Bürgermeister einsetzt oder ob ein Überraschungskandidat aus dem Hintergrund stürmt. Eines ist klar: Nach drei verpassten Weltmeisterschaften in Folge will niemand mehr Symbolpolitik. Die Legenden fordern das Kommando – oder sie bleiben auf der Tribüne.
