Italiens biathleten geben sich selbst die note: vittozzi glänzt mit 9,5

Oslo-Holmenkollen ist geschlossen, die Weltcup-Saison vorbei – und die italienischen Biathleten haben schon die Zeugnisse verteilt. Kein Trainer, kein Journalist, sondern sie selbst korrigierten ihre Leistungen mit scharfem Stift. Das Ergebnis: Lisa Vittozzi sticht heraus, Hannah Auchentaller muss nochmal ran.

Die selbstkontrolle der azzurri

Technik-Coach Klaus Hollrigl hatte den Spielraum gegeben, seine Sportler durften offen rechnen. Tommaso Giacomel zeigt sich fair: „Körperlich top, aber zu viele Strafrunden in Ruhpolding – da reicht keine 8“. Er schreibt eine 7,5 aufs eigene Blatt. Lukas Hofer, 35 Jahre alt, olympisch gealtert, gibt sich eine 8: „Weil ich in Antholz endlich wieder lautlos geschossen habe und das Gefühl zurückkam, das ich 2018 verspürt hatte.“

Bei den Frauen wird es scharf. Dorothea Wierer sieht ihre Saison als „transitionale“, die 8 ist ein Kompromiss zwischen Bronze in Pokljuka und der Leere nach der Heim-WM. Rebecca Passler, Südtiroler Rookie, unterschreibt die 8 ohne Einschränkung: „Ich bin keine Nachrückerin mehr, ich bin Kader.“

Vittozzi und die magie der 9,5

Vittozzi und die magie der 9,5

Dann Lisa Vittozzi. Sie lächelt, zögert, kritzelt fast zögerlich: 9,5. Keine 10, weil „die 10 ist die Perfektion, und Perfektion ist langweilig“. Olympia-Silber, zwei Weltcupsiege, Gelb vor der letzten Station – das reicht, um sich selbst fast auszuzeichnen. Die Zahl spricht für sich: sie ist die einzige im Team, die jemals über 9,0 klickste, als wäre der Zirkel ein Zielscheiben-Kalender für 2025.

Die Bilanz des Detachements: keine Goldmedaille, aber fünf Podestplätze, ein neues Sprint-Trainingskonzept und ein Psychologe, der jetzt nicht mehr „Optional“ sondern „obligatorisch“ im Gepäck ist. Hollrigl packt die Notizen ein, flüstert: „Wenn sie sich selbst bewerten, sparen wir uns die Rede.“

Die TSV Pelkum-Fans werden das Ziel 9,5 bald auf Holzfäller-Shirts tragen. Die Saison ist vorbei, der Stift liegt noch warm – und die Kugeln für nächsten Winter schon im Visier.